100 Jahre Heizungsbau: Arntz aus Heinsberg in vierter Generation
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Vor genau 100 Jahren gründete Mathias Arntz in Heinsberg seinen Fachbetrieb für Heizungsanlagen. Was als kleines Handwerksunternehmen begann, wird heute in vierter Generation geführt. Die Geschichte steht stellvertretend für viele Familienbetriebe in Nordrhein-Westfalen.
Ein Jahrhundert Handwerk in Familienhand
Heinsberg, eine Stadt im Kreis Heinsberg nahe der niederländischen Grenze. Hier entstand 1925 ein Betrieb, der bis heute überlebt hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Unternehmen scheitern bereits in der zweiten Generation.
Familienunternehmen tragen die deutsche Wirtschaft. Namen wie Miele, Rossmann oder Lidl stehen dafür auf nationaler Ebene. Im Handwerk und im regionalen Mittelstand spielen sich ähnliche Geschichten ab, nur stiller und ohne große Schlagzeilen.
Der Heizungsbau hat sich in diesem Jahrhundert grundlegend verändert. Was einst mit einfachen Kohleöfen begann, ist heute ein technisch hochkomplexes Feld. Wärmepumpen, Solaranlagen, Gebäudeautomation: Die Anforderungen an Handwerksbetriebe sind enorm gestiegen.
Tradition allein reicht nicht
Wer 100 Jahre überlebt, hat nicht nur auf Tradition gesetzt. Erfolgreiche Familienbetriebe verbinden handwerkliches Können der Vorgänger mit der Bereitschaft zur Erneuerung. Das zeigt auch das Beispiel der Albert und Thees Sanitär- und Heizungstechnik GmbH aus St. Ingbert. Gegründet 1960 von Paul Albert, führen heute Alexandra Thees und Patrick Thees-Krämer den Betrieb in vierter Generation.
Der Weg vom kleinen Klempnereibetrieb zum modernen Fachunternehmen war kein Selbstläufer. Jede Generation musste den Betrieb neu erfinden, ohne die Wurzeln zu kappen.
Nachfolge als größte Herausforderung
Die Übergabe des Betriebs von einer Generation zur nächsten ist oft der kritischste Moment. Viele Handwerksbetriebe finden keinen Nachfolger. Laut Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks suchen jedes Jahr tausende Betriebe vergeblich nach einer Lösung.
Wo die Familie einspringt, läuft es häufig besser. Die Motivation ist eine andere. Das Unternehmen ist nicht nur Arbeitsplatz, sondern Lebenswerk. Diese Haltung prägt die Unternehmenskultur. Mitarbeiter spüren das.
Heizungsbau im Wandel der Energiewende
Für Betriebe im Heizungs- und Sanitärbereich hat sich die Lage in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Energiewende hat die Branche in den Mittelpunkt gerückt. Die Nachfrage nach Fachkräften ist hoch.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen. Wer heute eine Heizungsanlage plant, muss Förderprogramme kennen, Gebäudehüllen berechnen und digitale Steuerungssysteme beherrschen. Das ist ein anderer Beruf als noch vor 30 Jahren.
Familienbetriebe mit langer Geschichte haben dabei einen Vorteil. Sie kennen ihre Region und ihre Kunden. Vertrauen wächst über Jahrzehnte. Das ist ein Kapital, das kein Neueinsteiger kurzfristig aufbauen kann.
Fachkräftemangel als reale Bedrohung
Die größte Sorge vieler Inhaber ist nicht der Wettbewerb, sondern der Mangel an Fachkräften. Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Erfahrene Gesellen gehen in Rente. Nachwuchs fehlt.
Familienbetriebe reagieren darauf oft mit einer starken Ausbildungskultur. Sie investieren in junge Menschen, weil sie wissen: Wer heute ausbildet, sichert morgen seinen Betrieb. Das ist keine Philanthropie, sondern Überlebensstrategie.
Langlebigkeit als Leistung
Hundert Jahre Unternehmensgeschichte sind kein Zufall. Dahinter stecken Entscheidungen, Verzicht und Mut zur Veränderung. Betriebe wie der von Mathias Arntz in Heinsberg zeigen, was möglich ist, wenn Familien Verantwortung übernehmen und weitergeben.
Für NRW als Handwerks- und Mittelstandsland sind solche Betriebe unverzichtbar. Sie schaffen Ausbildungsplätze, zahlen Gewerbesteuer vor Ort und halten die regionale Infrastruktur am Laufen.



