76 Prozent der Niederrhein-Betriebe spüren Druck aus China
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Der Wettbewerbsdruck aus China trifft die Wirtschaft am Mittleren Niederrhein mit voller Wucht. Das belegt eine aktuelle Sonderumfrage der IHK Mittlerer Niederrhein. 76 Prozent der befragten Unternehmen aus Krefeld, Mönchengladbach, Neuss und dem Kreis Viersen nehmen eine stärkere Konkurrenz aus der Volksrepublik wahr. Die Ergebnisse decken sich mit einer bundesweiten DIHK-Erhebung, die für NRW einen ähnlichen Wert von rund zwei Dritteln ausweist.
Abhängigkeit und Konkurrenz zugleich
Die Lage der betroffenen Unternehmen ist widersprüchlich. Viele Betriebe sind gleichzeitig Abnehmer und Wettbewerber chinesischer Anbieter. Sie beziehen Vorprodukte, Rohstoffe oder fertige Waren aus China, während chinesische Konkurrenten auf denselben Märkten gegen sie antreten.
Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, beschreibt diese Doppelrolle als strukturelles Problem. Betriebe könnten sich nicht einfach vom chinesischen Markt abkoppeln, da Lieferketten und Absatzmärkte zu eng miteinander verflochten seien.
China war 2025 der zweitwichtigste Importpartner Nordrhein-Westfalens. Ein Rückzug aus dieser Beziehung ist für viele Mittelständler keine realistische Option.
Was die Unternehmen fordern
Die befragten Betriebe richten ihre Erwartungen klar nach Brüssel. Sie wünschen sich ein geschlossenes Auftreten der Europäischen Union gegenüber der Volksrepublik, damit einzelne Mitgliedstaaten nicht gegeneinander ausgespielt werden können.
Konkret geht es um faire Wettbewerbsbedingungen. Chinesische Anbieter profitieren in vielen Bereichen von staatlichen Subventionen, was ihnen Preisvorteile verschafft, die europäische Unternehmen aus eigener Kraft nicht ausgleichen können.
Die IHK Mittlerer Niederrhein hat den Betrieben eine Möglichkeit zur direkten Rückmeldung gegeben. Bis zum 29. September können Unternehmen der Kammer konkrete Anregungen melden. Die gesammelten Positionen sollen in die politische Interessenvertretung einfließen.
Einzelhandel besonders betroffen
Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Industrie, Großhandel und Dienstleister berichten ebenfalls von chinesischer Konkurrenz, doch der Einzelhandel ist am stärksten betroffen.
Plattformen wie Temu oder Shein liefern direkt an Endkunden. Stationäre Händler und kleinere Onlinehändler können mit den Preisen dieser Anbieter kaum mithalten.
Standort Krefeld unter Beobachtung
Die Ergebnisse fallen in eine Phase, in der Krefelder Unternehmen ihren Wirtschaftsstandort mit der Note 3 bewerten. Das zeigt eine separate Standortanalyse der IHK Mittlerer Niederrhein auf Basis einer Auswertung der Hochschule Niederrhein. Der Druck aus China verschärft bestehende Standortnachteile.
Die energieintensiven Branchen in Krefeld stehen ohnehin unter besonderem Druck. Hohe Energiekosten belasten die Wettbewerbsfähigkeit. Kommen günstige chinesische Konkurrenten hinzu, geraten die Margen weiter unter Druck.
Fazit
Die IHK-Umfrage liefert ein klares Bild: Der Wettbewerb mit China ist für die Wirtschaft am Mittleren Niederrhein kein abstraktes Thema. Er trifft Betriebe in Krefeld, Mönchengladbach und der Region konkret und täglich. Die befragten Unternehmen setzen auf ein gemeinsames europäisches Vorgehen statt auf nationale Alleingänge. Die Politik in Brüssel steht unter Druck, diese Erwartung zu erfüllen.



