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AfD-Debatte kostet Familienunternehmer-Verband 200 Mitglieder

Rund 200 Mitglieder hat der Verband „Die Familienunternehmer“ binnen eines Jahres verloren. Der Verband selbst nennt die schwierige wirtschaftliche Lage als Grund. Kritiker machen den Strategiewechsel in der Haltung zur AfD verantwortlich. Der Streit spaltet die deutsche Unternehmerlandschaft.

Was den Streit ausgelöst hat

Der Verband „Die Familienunternehmer“ vertritt nach eigenen Angaben mehr als 6.000 Unternehmer in Deutschland. Ende November 2025 wurde bekannt, dass der Verband seine bisherige Abgrenzungsstrategie gegenüber der AfD aufgeben will. Statt einer strikten Kontaktsperre sollen Gespräche mit AfD-Vertretern wieder möglich sein.

Für den Verband ist das kein vollständiges Novum. Bereits 2014 lud er AfD-Vertreter ein, um Unzufriedenheit mit der damaligen Bundesregierung zu signalisieren. Doch der erneute Schwenk trifft den Verband in einem politisch aufgeladenen Klima.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Rossmann und Vorwerk erklärten ihren Austritt. Auch Fritz-Kola verließ den Verband. Weitere Mitglieder distanzierten sich öffentlich, ohne formal auszutreten.

Verband sieht wirtschaftliche Ursachen

Der Verband bestreitet einen direkten Zusammenhang zwischen dem AfD-Streit und den Mitgliederverlusten. Die wirtschaftliche Lage vieler Familienunternehmen sei schwierig. Mitgliedsbeiträge stünden bei Kosteneinsparungen oft zuerst auf der Streichliste.

Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Strategiewechsel und den Austritten bekannter Firmen ist offensichtlich. Rossmann und Vorwerk sind keine kleinen Betriebe, die an Mitgliedsbeiträgen sparen müssen.

Prominente Stimmen auf beiden Seiten

Innerhalb des Verbands gibt es keine einheitliche Meinung. Roland Mack, Gründer des Europa-Parks, und Christoph Werner, Chef des Drogeriemarktbetreibers dm, sprechen sich für eine offene Diskussion mit der AfD aus. Werner ist 53 Jahre alt, Mack ist 76.

Beide argumentieren, man müsse mit allen politischen Kräften reden, die relevant sind. Die AfD erzielt bei Wahlen regelmäßig zweistellige Ergebnisse. Sie von Gesprächen auszuschließen sei keine sinnvolle Strategie.

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Auf der anderen Seite stehen Unternehmer, die genau das ablehnen. Für sie ist die konkrete Frage, welche politischen Positionen ein Wirtschaftsverband durch Dialog aufwertet.

Politischer Druck von außen

Der Verband steht auch aus der Politik unter Druck. Mehrere Politiker haben den Strategiewechsel öffentlich verurteilt. Der Verband sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, einer Partei Legitimität zu verschaffen, der gegenüber Abstand geboten sei.

Der Verband weist das zurück. Gespräche bedeuteten keine Zustimmung zu politischen Positionen. Die Kritiker akzeptieren diese Unterscheidung nicht. Für sie sendet allein die Einladung ein falsches Signal.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Die Debatte zeigt, wie politisch aufgeladen die Lage für Wirtschaftsverbände geworden ist. Neutralität ist kaum noch möglich. Jede Entscheidung, ob Kontakt oder Distanz, wird politisch bewertet und hat Konsequenzen.

Für Familienunternehmen in Nordrhein-Westfalen ist das keine abstrakte Debatte. Viele sind selbst Mitglied in ähnlichen Verbänden oder stehen vor vergleichbaren Fragen: Wie hält man es mit Parteien, die man inhaltlich ablehnt, aber nicht ignorieren kann?

Der Verband zählt nach den Abgängen weiterhin mehrere tausend Mitglieder. Ob der Kurs gehalten oder korrigiert wird, ist offen. Die Austritte namhafter Firmen erhöhen den Druck auf die Verbandsführung.

Fazit

Der Streit um den Umgang mit der AfD kostet den Verband Mitglieder und Ansehen. Die Führung steht unter Druck: intern wegen des Mitgliederschwunds, extern wegen politischer Kritik. Wie der Verband damit umgeht, wird seine künftige Stellung als Stimme der Familienunternehmer prägen.

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