Recht

Attestpflicht ab Tag eins: Kritik aus NRW wächst

Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Die schwarz-rote Koalition in Berlin will die Regeln für Krankschreibungen verschärfen. Arbeitnehmer sollen künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen müssen. Das Reformvorhaben stößt auf Widerstand, auch aus Nordrhein-Westfalen.

Was die Bundesregierung plant

Bislang können Arbeitgeber eine Krankschreibung in der Regel erst ab dem dritten Krankheitstag verlangen. Das soll sich ändern. Laut den Plänen der Koalition wird die Attestpflicht auf den ersten Kalendertag einer Erkrankung vorgezogen. Außerdem soll die fehlerhafte oder unrichtige Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung künftig stärker bestraft werden. Die Pläne wurden Anfang Juli 2026 bekannt.

Für Millionen Beschäftigte bedeutet das: Wer morgens krank aufwacht, muss noch am selben Tag einen Arzt aufsuchen. Hausarztpraxen und medizinische Versorgungsstrukturen dürften damit deutlich stärker belastet werden.

Kritik aus Münster: Fuchs widerspricht Berlin

Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs hat sich gegen das Vorhaben positioniert. Er sprach sich am Mittwoch öffentlich gegen die Pläne aus. Seiner Auffassung nach müssen Reformen das Leben der Menschen einfacher machen und Vertrauen stärken. Die geplante Regelung tue das Gegenteil.

Fuchs sieht in der Attestpflicht ab dem ersten Tag ein falsches Signal. Statt Bürokratie abzubauen, werde neuer Aufwand geschaffen. Für Beschäftigte bedeutet die Pflicht einen zusätzlichen Gang zum Arzt in einer ohnehin belastenden Situation.

Gemischte Reaktionen in der Region

In Münster sind die Reaktionen auf die Reformpläne unterschiedlich. Arbeitgeber erhoffen sich von der Regelung weniger Fehltage. Beschäftigte und kommunale Vertreter kritisieren den bürokratischen Mehraufwand.

Für kleine und mittlere Unternehmen in NRW ist das Thema relevant. Gerade im Handwerk und in kleinen Betrieben sind kurze Krankheitsausfälle Teil des Alltags. Ob eine generelle Attestpflicht tatsächlich zu weniger Fehlzeiten führt, ist unter Arbeitsrechtlern und Personalexperten umstritten.

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Mehr Arztbesuche, mehr Druck auf Praxen

Medizinische Verbände warnen vor den Folgen. Hausarztpraxen sind vielerorts bereits ausgelastet. Eine gesetzliche Pflicht, jeden Beschäftigten ab dem ersten Krankheitstag zu bescheinigen, würde die Kapazitäten weiter strapazieren. Kurzfristige Termine könnten schwerer zu bekommen sein.

Für Betriebe mit vielen Mitarbeitern im Schichtbetrieb oder mit engen Personaldecken kann das zum Problem werden. Fällt jemand aus, braucht der Betrieb rasch Klarheit. Eine formelle Bescheinigung liefert diese schneller. Doch der Preis dafür ist höherer Verwaltungsaufwand auf allen Seiten.

Strafen für falsche Atteste geplant

Ein weiterer Bestandteil des Reformvorhabens ist die verschärfte Sanktionierung bei unrichtiger Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Ärzte, die Atteste ohne ausreichende Prüfung ausstellen, sollen stärker zur Verantwortung gezogen werden. Auch das stößt in Ärztekreisen auf Kritik.

Kritiker sehen darin einen Eingriff in die ärztliche Entscheidungsfreiheit. Die Beurteilung, ob jemand arbeitsunfähig ist, liege beim Arzt und nicht beim Gesetzgeber.

Fazit

Die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag greift in bestehende Arbeitsverhältnisse ein. Arbeitgeber erhoffen sich weniger Fehltage, Beschäftigte und Ärzte befürchten mehr Bürokratie und zusätzlichen Druck auf das Gesundheitssystem. Ob das Vorhaben in seiner jetzigen Form Gesetz wird, ist offen. Der Widerstand, auch aus kommunalen Reihen wie Münster, ist deutlich.

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