Handwerk

Aufstiegs-BAföG: Handwerker warten bis zu einem Jahr auf ihr Geld

Angehende Handwerksmeister in Nordrhein-Westfalen kämpfen mit einem bürokratischen Problem: Das Aufstiegs-BAföG, auch Meister-BAföG genannt, lässt oft monatelang auf sich warten. Berichte aus der Branche sprechen von Wartezeiten bis zu einem Jahr. Das trifft Betroffene hart, denn viele haben während der Fortbildung kein oder nur geringes Einkommen.

Was das Aufstiegs-BAföG leistet

Das Aufstiegs-BAföG ist ein zentrales Förderinstrument für Fachkräfte in Deutschland. Es richtet sich an Menschen, die eine berufliche Fortbildung absolvieren, etwa zum Handwerksmeister, Techniker oder Fachwirt. Die Förderung ist altersunabhängig. Auch wer bereits älter als 30 Jahre ist, kann sie beantragen.

Konkret übernimmt das Programm 50 Prozent der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren als Zuschuss. Den Rest können Geförderte als zinsgünstiges Darlehen über die KfW aufnehmen. Wer die Abschlussprüfung besteht, dem erlässt die KfW weitere 50 Prozent des noch offenen Maßnahmedarlehens. Hinzu kommen Zuschüsse zu Materialkosten sowie ein Unterhaltsbeitrag für Vollzeitschüler.

Das Programm ist damit auf dem Papier attraktiv. Es soll den Weg in den Meistertitel finanziell erleichtern und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. In der Praxis hakt es jedoch erheblich.

Bürokratie bremst den Aufstieg

Das Antragsverfahren gilt als aufwendig und unübersichtlich. Zuständig sind je nach Bundesland unterschiedliche Behörden. In NRW bearbeiten die Ämter für Ausbildungsförderung die Anträge. Die Bearbeitungszeiten variieren stark. Mancherorts warten Antragsteller sechs Monate, andernorts noch länger.

Aus der Dachdeckerbranche wurden bereits 2023 Wartezeiten von bis zu einem Jahr gemeldet. Betroffene berichten von unrealistischen Fristen, fehlenden Rückmeldungen und endlosen Warteschleifen. Wer in dieser Zeit seinen Lebensunterhalt nicht anderweitig sichern kann, gerät schnell in finanzielle Schwierigkeiten.

Ähnliche Probleme zeigen sich bundesweit. In Thüringen lagen Ende Mai 2026 beim Studierendenwerk fast 13.000 offene BAföG-Verfahren vor. Der angekündigte Abbau des Antragsstaus kommt dort langsamer voran als geplant. Die Situation in NRW ist zwar nicht identisch, doch die strukturellen Ursachen ähneln sich.

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Fachkräftemangel verschärft das Problem

Der Rückstand bei der Bearbeitung trifft das Handwerk zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Vielen Betrieben in NRW fehlen ausgebildete Meister. Ohne Meistertitel darf niemand einen Handwerksbetrieb in einem zulassungspflichtigen Gewerk führen. Der Nachwuchs ist also dringend gefragt.

Wenn aber der staatliche Förderantrag monatelang unbearbeitet bleibt, zögern manche Interessenten. Die finanzielle Unsicherheit schreckt ab. Wer nicht auf Ersparnisse oder familiäre Unterstützung zurückgreifen kann, bricht die Fortbildung im schlimmsten Fall ab.

Reformdruck wächst

Handwerksverbände und Gewerkschaften fordern seit Jahren eine Vereinfachung des Verfahrens. Die IG Metall hat die Förderbedingungen des Aufstiegs-BAföG zuletzt im Mai 2025 dokumentiert und auf bestehende Schwachstellen hingewiesen. Auch auf der Plattform WeAct haben Betroffene eine Petition gestartet. Sie beklagen, dass staatliche Unterstützung ausbleibt, obwohl ein gesetzlicher Anspruch besteht.

Der Kernvorwurf lautet: Der Staat lobt das Programm als Mittel gegen den Fachkräftemangel, schafft aber keine ausreichenden Kapazitäten für eine zügige Bearbeitung. Die Folge ist ein Widerspruch zwischen politischem Anspruch und administrativer Realität.

Was Antragsteller tun können

Wer das Aufstiegs-BAföG beantragen möchte, sollte den Antrag so früh wie möglich stellen, idealerweise vor Beginn der Fortbildung. Die zuständige Behörde ist beim jeweiligen Wohnort zu erfragen. Die KfW vergibt die Darlehen separat, der Antrag läuft über das Förderportal der Bank.

Handwerkskammern in NRW bieten Beratung an. Sie helfen bei der Zusammenstellung der Unterlagen und können den Prozess beschleunigen. Wer auf eine Rückmeldung wartet, sollte regelmäßig nachfragen und alle Fristen dokumentieren.

Fazit

Das Aufstiegs-BAföG ist ein sinnvolles Instrument. Es fördert Qualifikation und stärkt das Handwerk. Doch die langen Wartezeiten konterkarieren den politischen Willen. Wer den Fachkräftemangel ernsthaft bekämpfen will, muss auch die Verwaltung dahinter leistungsfähiger machen. Ansonsten bleibt die Förderung Theorie, und der Meistertitel bleibt für viele unerreichbar.

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