Ausbildungsreife fehlt: Betriebe im Kreis Warendorf suchen vergeblich
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Ausbildungsplätze bleiben frei, obwohl Betriebe händeringend nach Nachwuchs suchen. Das ist die Kernbotschaft einer aktuellen Umfrage der IHK Nord Westfalen unter Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region. Im Kreis Warendorf stieg die Zahl neuer Ausbildungsverträge zuletzt um zwei Prozent auf 656. Doch viele Stellen bleiben dennoch unbesetzt.
Mangelnde Eignung als Hauptproblem
Der Grund für unbesetzte Ausbildungsstellen ist selten ein Mangel an Bewerbungen. Laut der DIHK-Ausbildungsumfrage gaben 70 Prozent der betroffenen Unternehmen im IHK-Bezirk Nord Westfalen an, keine geeignete Kandidatin und keinen geeigneten Kandidaten gefunden zu haben. Die Betriebe bemängeln vor allem fehlende Ausbildungsreife bei den Bewerbern.
Damit ist gemeint: Grundlegende schulische Kenntnisse, Zuverlässigkeit und Lernbereitschaft reichen bei einem Teil der Bewerber nicht für den Einstieg in eine Berufsausbildung aus. Das betrifft Rechnen, Schreiben und das Verstehen von Arbeitsanweisungen.
Betriebe greifen selbst zur Lösung
Viele Unternehmen warten nicht auf Unterstützung von außen. Mehr als 40 Prozent setzen auf betriebsinterne Nachhilfeangebote. Knapp 30 Prozent bieten vorbereitende Maßnahmen bereits vor dem offiziellen Ausbildungsbeginn an.
Das ist ein erheblicher Aufwand. Gerade kleine und mittlere Unternehmen stoßen dabei schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Wer drei oder vier Azubis beschäftigt, kann kein eigenes Förderprogramm aufbauen.
Kreis Warendorf mit leichtem Plus
Im regionalen Vergleich schneidet der Kreis Warendorf noch vergleichsweise gut ab. Mit 656 neuen Ausbildungsverträgen und einem Plus von zwei Prozent steht er besser da als die Nachbarkreise. Im Kreis Steinfurt sank die Zahl der Verträge um 5,8 Prozent auf 1.067. Im Kreis Borken fiel das Minus mit 10,7 Prozent besonders stark aus, bei 1.049 Verträgen. Der Kreis Coesfeld verzeichnete ein Minus von 7,8 Prozent auf 458 Verträge.
Insgesamt zählte die IHK Nord Westfalen zuletzt 6.536 neue Ausbildungsverträge im gesamten Bezirk. In früheren Jahren hatte die Kammer noch über 7.000 Verträge gemeldet. Der Trend zeigt nach unten.
Strukturelles Problem, kein kurzfristiges Phänomen
Die Zahlen aus dem Kreis Warendorf verdecken das grundlegende Problem. Ein leichtes Plus bei den Vertragsabschlüssen löst das Qualitätsproblem nicht. Betriebe berichten, dass sie Stellen trotz Bewerbungen unbesetzt lassen. Denn ein Ausbildungsplatz mit einer ungeeigneten Person zu besetzen kostet am Ende mehr, als ihn freizulassen.
Rund 900 Auszubildende aus dem Kreis Warendorf traten zuletzt zu IHK-Prüfungen an. Die IHK ehrte dabei 47 besonders erfolgreiche Absolventen als Botschafter der Ausbildung. Wo die Voraussetzungen stimmen, funktioniert die duale Ausbildung.
Schulen und Betriebe müssen enger zusammenarbeiten
Die Debatte über Ausbildungsreife ist nicht neu. Die Zahlen belegen jedoch, dass das Problem nicht kleiner wird. Die IHK Nord Westfalen appelliert an Schulen, die Berufsvorbereitung ernst zu nehmen. Gleichzeitig sieht die Kammer die Betriebe in der Pflicht, nicht auf den perfekten Bewerber zu warten, sondern in Förderung zu investieren.
Fazit
Der Kreis Warendorf kann mit einem kleinen Plus bei den Ausbildungsverträgen nicht zufrieden sein. Das eigentliche Problem bleibt ungelöst: Zu viele junge Menschen bringen nicht die nötigen Grundkompetenzen mit. Betriebe kompensieren das mit eigenem Aufwand. Ohne bessere Berufsvorbereitung an Schulen wird der Fachkräftemangel weiter wachsen.



