Bonn/Rhein-Sieg: Konjunkturklima fällt auf 92 Punkte
Der IHK-Konjunkturklimaindikator für die Region Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis ist auf 92 Punkte gefallen. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg. 31 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als schlecht. Nur noch jedes vierte Unternehmen meldet eine gute Lage.
Breite Belastung durch mehrere Faktoren
Die Ursachen sind vielfältig. Hohe Energie- und Kraftstoffpreise fressen die Margen. Lieferketten sind weiterhin gestört. Die Verbraucher halten sich mit Ausgaben zurück. Diese drei Faktoren treffen viele Betriebe gleichzeitig.
Besonders hart trifft es den Einzelhandel. Laut dem IHK-Einzelhandelsreport sehen zwei Drittel der Handelsunternehmen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis die aktuelle Entwicklung als Gefahr für ihre Zukunft. Der stationäre Handel kämpft gegen sinkende Kundenfrequenz und steigende Betriebskosten.
Auch die Industrie steht unter Druck. Bereits Ende 2024 warnte die IHK vor möglichen Deindustrialisierungstendenzen in der Region. Diese Sorge hat sich seither nicht verringert.
Trübe Erwartungen für die kommenden Monate
Die Aussichten sind kaum besser als die aktuelle Lage. 40 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine weitere Verschlechterung. Im Konjunkturbarometer Rheinland vom Jahresbeginn 2026 rechnen 23,7 Prozent der Betriebe mit einem Rückgang der Geschäfte.
Zum Jahresbeginn 2026 ist die Stimmung laut IHK-Umfrage weiterhin gedrückt. Ein zusätzliches Problem: Viele Unternehmen beklagen einen hohen Krankenstand bei ihren Beschäftigten. Das belastet Produktivität und Planungssicherheit.
Mittelstand besonders betroffen
Kleine und mittlere Betriebe haben weniger Reserven als Großunternehmen. Sie können steigende Kosten schwerer abfedern. Personalengpässe kommen hinzu. Schon 2023 nannten Unternehmen im Rhein-Sieg-Kreis Personalmangel als zentrale Herausforderung. Daran hat sich wenig geändert.
Die Kombination aus hohen Betriebskosten, unsicherer Nachfrage und Fachkräftemangel setzt vor allem inhabergeführten Betrieben zu. Investitionen werden verschoben. Einstellungen werden zurückgehalten.
Geopolitik belastet die Region
Externe Schocks verstärken die Probleme. Geopolitische Konflikte treiben die Rohstoff- und Energiepreise. Lieferketten bleiben fragil. Das trifft exportorientierte Betriebe im Rhein-Sieg-Kreis direkt.
Die Region hatte sich nach den Krisen der Jahre 2022 und 2023 nur zögerlich erholt. Eine nachhaltige Erholung blieb aus. Stattdessen folgte nach einer kurzen Stabilisierungsphase im Frühsommer 2024 erneut eine Verschlechterung.
Fazit: Strukturelle Probleme brauchen strukturelle Antworten
Die Konjunkturdaten aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zeichnen ein klares Bild. Die Wirtschaft in der Region steckt in einer hartnäckigen Schwächephase. Kurzfristige Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die Unternehmen erwarten keine rasche Wende. Für den Mittelstand kommt es jetzt darauf an, Kosten zu kontrollieren und handlungsfähig zu bleiben. Politische Entlastungen bei Energie und Bürokratie wären ein wichtiger Schritt. Wann sie kommen, ist offen.