Unternehmen aus NRW

Covestro verlagert Milliarden-Investitionen nach Asien und Nahost

Der Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro richtet seine Investitionsstrategie nach Asien und in den Nahen Osten aus. Bis zu vier Milliarden Euro sollen in neue Großanlagen außerhalb Deutschlands fließen. Das wirft Fragen über die Zukunft der heimischen Standorte auf.

Neue Großanlage in Shanghai geplant

Covestro bereitet den Bau einer neuen Großanlage für den Schaumstoff MDI am Standort Shanghai vor. MDI ist ein Vorprodukt für Polyurethan-Schäume. Diese stecken in Matratzen, Dämmstoffen und Autositzen. Die Nachfrage danach ist in China besonders stark.

Shanghai ist für Covestro kein Neuland. Der Konzern hat bereits rund drei Milliarden Euro in seinen dortigen Standort investiert. Die neue Anlage würde diese Präsenz deutlich ausbauen. Covestro begründet den Schritt mit dem Wachstum auf dem chinesischen Markt.

China ist für die deutsche Chemieindustrie insgesamt ein zentraler Markt. Auch der Konkurrent BASF erwirtschaftet dort aktuell rund 13 Prozent seines Umsatzes. Covestro ist ebenfalls stark vom chinesischen Markt abhängig.

Golfregion als zweites Standbein

Neben China plant Covestro Investitionen in der Golfregion. Konkrete Standorte hat der Konzern bislang nicht öffentlich benannt. Die Golfstaaten haben günstige Energiepreise und wachsende Chemiemärkte. Für energieintensive Hersteller wie Covestro ist das ein wichtiger Standortvorteil.

Der Konzern steht seit der Übernahme durch den Abu Dhabi National Oil Company, kurz Adnoc, unter neuer Eigentümerschaft. Adnoc hat seinen Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die geplanten Investitionen in der Golfregion hängen vermutlich auch mit dieser neuen Eigentümerstruktur zusammen.

Die Übernahme durch Adnoc war kompliziert. Ein Kompromiss mit der EU-Kommission könnte Covestro bilanziell belasten. Der Konzern könnte demnach Zinsen auf Milliarden-Zuwendungen zahlen müssen, was die Bilanz verschlechtern würde.

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Was bedeutet das für die deutschen Standorte?

Covestro betreibt in Deutschland mehrere Standorte. Der Hauptsitz liegt in Leverkusen. Weitere Werke befinden sich unter anderem in Dormagen, Krefeld-Uerdingen und Brunsbüttel. Dort arbeiten tausende Beschäftigte.

Die Verlagerung von Investitionen ins Ausland ist kein gutes Signal für diese Standorte. Gleichzeitig hat Covestro bislang keine Werksschließungen in Deutschland angekündigt. Der Konzern trennt in seiner Kommunikation Wachstumsinvestitionen im Ausland von der Bestandspflege in Deutschland.

Die hohen Energiekosten in Deutschland belasten die Chemiebranche seit Jahren. Viele Konzerne verlagern deshalb neue Kapazitäten dorthin, wo Energie günstiger ist. Covestro ist dabei kein Einzelfall.

Strategie mit Risiken

Das Engagement in China birgt politische Risiken. Die geopolitischen Spannungen zwischen dem Westen und China haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Unternehmen, die stark auf China setzen, machen sich abhängig von einem schwer kalkulierbaren Markt.

Gleichzeitig ist die Logik der Entscheidung nachvollziehbar. Wer dort wächst, wo die Nachfrage am stärksten ist, sichert seine Wettbewerbsfähigkeit. Covestro folgt damit einer Strategie, die viele große Chemiekonzerne verfolgen.

Für den Mittelstand in NRW hat die Entwicklung bei Covestro indirekte Folgen. Viele kleine und mittlere Betriebe in der Region sind Zulieferer oder Abnehmer des Konzerns. Investitionen im Ausland bedeuten nicht zwingend weniger Geschäft für diese Unternehmen, verändern aber die Gewichte.

Fazit

Covestro setzt auf Wachstum außerhalb Deutschlands. Bis zu vier Milliarden Euro fließen in Anlagen in China und der Golfregion. Die deutschen Standorte stehen vorerst nicht zur Disposition. Neue Kapazitäten entstehen jedoch dort, wo Energie günstiger und die Märkte wachsen. Für den Industriestandort NRW ist das eine ernste Botschaft.

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