Enapter zieht sich aus Saerbeck zurück: Campus wird verkauft
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Sechs Jahre nach dem Einzug in den Saerbecker Bioenergiepark zieht sich der Wasserstoffspezialist Enapter aus Nordrhein-Westfalen zurück. Eine Investmentgesellschaft übernimmt den Campus. Für die Region ist das ein herber Rückschlag.
Verkauf des Campus als Teil einer Neuausrichtung
Enapter hat den Verkauf seines Standorts in Saerbeck im Kreis Steinfurt bekanntgegeben. Eine Investmentgesellschaft übernimmt das Betriebsgelände im Bioenergiepark. Der Schritt ist Teil einer umfassenden Restrukturierung des Unternehmens.
Das Unternehmen stellt sein Geschäftsmodell grundlegend um. Enapter wechselt zu einem sogenannten Asset-Light-Modell, mit dem das Unternehmen schlanker und finanziell stabiler werden soll. Im Zuge der Neuausrichtung wurde die Prognose für das Jahr 2026 gestrichen.
An der Börse kam die Ankündigung positiv an. Die Aktie von Enapter legte nach der Meldung um rund 11,57 Prozent zu.
Schwache Nachfrage nach kleinen Elektrolyseuren
Enapter begründet den Rückzug aus Saerbeck mit einer angepassten Produktions- und Vertriebsstrategie. Kleinere Elektrolyseure seien wesentlich schwächer nachgefragt als erwartet. Die Produktion dieser Geräte findet deshalb nur noch an einem anderen Enapter-Standort statt.
Das war nicht immer so. Als Enapter nach Saerbeck kam, galten die kompakten Elektrolyseure als Herzstück des Geschäftsmodells. Der Standort sollte zur zentralen Produktionsstätte für den europäischen Markt ausgebaut werden.
Saerbeck: Einst Vorzeigeprojekt der Energiewende
Die Gemeinde Saerbeck gilt als eines der bekanntesten Energiewendeprojekte in Deutschland. Der Bioenergiepark wird vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben; Solar-, Wind- und Biomasseanlagen liefern den Strom. Für Enapter war das ein zentrales Argument für die Standortwahl.
Enapter hatte in Saerbeck zuletzt auch eine Photovoltaikanlage mit 630 Kilowatt-Peak Leistung installiert. Die Anlage deckte rund die Hälfte des Energiebedarfs am Standort. Jährlich sollten damit etwa 425 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Für die Ansiedlung warb das Unternehmen einst mit großem Aufwand. Nordrhein-Westfalen setzte auf Enapter als Beispiel für den Aufbau einer heimischen Wasserstoffwirtschaft.
Enapter sucht frisches Kapital
Finanziell steht Enapter unter Druck. Das Unternehmen hat sich mit seinem Anleihegläubiger geeinigt, um die Zinslast zu senken. Durch den Verkauf des Campus in Saerbeck sollen Mittel freigesetzt werden.
Bereits früher hatte Enapter eine Kapitalerhöhung von mindestens 30 Millionen Euro durchgeführt. Das Geld sollte unter anderem in den Ausbau des Saerbecker Standorts fließen. Dieser Plan ist nun Geschichte.
Weitere Standorte bleiben bestehen
Enapter betreibt neben Saerbeck weitere Standorte. Der Hauptsitz liegt in Berlin, dazu kommt ein Produktionsstandort im italienischen Pisa. Dort soll die Fertigung künftig gebündelt werden.
Rückschlag für den Wasserstoffstandort NRW
Der Abzug von Enapter aus Saerbeck zeigt die Schwierigkeiten, mit denen die Wasserstoffbranche in Deutschland kämpft. Die Nachfrage wächst langsamer als erhofft, viele Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle korrigieren. Saerbeck hatte als Vorzeigeprojekt der Energiewende bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Ob und wie schnell ein neuer Nutzer für den Campus gefunden wird, ist offen.


