Handwerk

Energiekosten und Reformstau bremsen NRW-Handwerk aus

Die Konjunktur im nordrhein-westfälischen Handwerk tritt auf der Stelle. Steigende Energie- und Materialkosten belasten die Betriebe spürbar. Geopolitische Spannungen, zuletzt rund um die Straße von Hormus, verschärfen die Lage zusätzlich. Das zeigt das Frühjahrsgutachten der Handwerkskammern in der Region.

Stimmung stabil, Aussichten getrübt

Im Kammerbezirk Dortmund bewerten 81 Prozent der Betriebe ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als gut oder befriedigend. Das klingt solide. Doch der Blick nach vorn fällt weniger optimistisch aus. Die Umfrage lief vom 13. März bis zum 7. April 2026, bereits unter dem Eindruck der jüngsten geopolitischen Verwerfungen.

Im Kammerbezirk Düsseldorf ist das Bild ähnlich. Die Konjunktur stagniert. Schwache Nachfrage trifft auf hohe Kostenbelastung. Das Ergebnis: Wachstum bleibt aus, obwohl die Auftragsbücher vieler Betriebe noch nicht leer sind.

Jeder zweite Betrieb erhöht die Preise

Der Kostendruck schlägt durch. Rund jeder zweite Handwerksbetrieb in der Region hat seine Preise angehoben. Das belastet auch die Kunden. Für viele Betriebe bleibt es trotzdem die einzige Möglichkeit, die gestiegenen Energie- und Materialkosten aufzufangen.

Die Ursachen liegen nicht allein im Inland. Globale Lieferketten bleiben fragil. Die Energiepreise reagieren sensibel auf jede Eskalation im internationalen Umfeld. Betriebe, die auf Strom, Gas oder spezifische Rohstoffe angewiesen sind, tragen dieses Risiko direkt.

Ausbaugewerbe hält sich besser

Zwischen den Gewerbegruppen gibt es deutliche Unterschiede. Im Ausbaugewerbe bleibt die Stimmung mit 84 Prozent positiver Einschätzungen überdurchschnittlich gut. Allerdings zeigt sich auch hier ein rückläufiger Trend. Der gewerbliche Bedarf hingegen steht stärker unter Druck. Betriebe, die vor allem Unternehmen beliefern, spüren die Investitionszurückhaltung der Industrie direkt.

Ehlert fordert politisches Handeln

Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, macht keinen Hehl aus seiner Forderung. Das Handwerk brauche ein Frühjahr der Reformen, so seine Botschaft. Konkret verlangt er eine Senkung der Stromsteuer. Das würde Handwerksbetriebe direkt entlasten.

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Ehlert sieht das Handwerk als Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft. Dieser Anker drohe jedoch seinen Halt zu verlieren, wenn die Politik nicht gegensteuere. Der Reformstau sei ein ebenso großes Problem wie die Kostenentwicklung selbst.

Bürokratie als strukturelles Hemmnis

Neben den Energiepreisen nennen viele Betriebe Bürokratie als zentrales Hemmnis. Genehmigungsverfahren dauern zu lang. Vorschriften werden als unverhältnismäßig empfunden. Kleinere Betriebe mit wenigen Mitarbeitern treffen diese Belastungen besonders hart. Ihnen fehlen Ressourcen, um Verwaltungsaufgaben nebenbei zu bewältigen.

Handwerkskammern fordern seit Langem einen Bürokratieabbau. Fortschritte bleiben bisher überschaubar. Das frustriert Betriebsinhaber, die auf schnelle und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind.

Fazit: Stabiles Fundament, aber kein Selbstläufer

Das NRW-Handwerk zeigt sich widerstandsfähig. Die Mehrheit der Betriebe arbeitet profitabel. Doch die Reserven schwinden. Hohe Kosten, fehlende Reformen und geopolitische Unsicherheit bilden eine Kombination, die auf Dauer zehrt.

Die Politik ist gefordert. Konkrete Schritte bei der Stromsteuer und beim Bürokratieabbau könnten schnell wirken. Ohne diese Impulse dürfte die Stagnation anhalten. Das Handwerk kann nicht allein liefern, was die Wirtschaft braucht.

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