Erkrather Start-up Co-reactive: Zementersatz mit Ministerbesuch
In Erkrath entsteht möglicherweise ein Stück Zukunft der Baubranche. Das Start-up Co-reactive hat einen Baustoff entwickelt, der herkömmlichen Zement ersetzen soll. Er gilt als deutlich klimafreundlicher. Anfang dieser Woche bekam das Unternehmen hochrangige Unterstützung aus Politik und Finanzwelt.
Ministerin und NRW-Bank zu Gast in Erkrath
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur reiste am 27. April nach Erkrath. Sie eröffnete dort eine erste Demonstrationsanlage von Co-reactive. Mit dabei war Gabriela Pantring, Vorstandsvorsitzende der NRW-Bank. Die Staatsbank unterstützt förderungswürdige Innovationen mit Kapital.
Co-reactive ist erst vor Kurzem nach Erkrath gezogen. Das Unternehmen nutzte den Besuch, um seinen Ansatz einem breiteren Publikum vorzustellen. Neben Politikerinnen kamen auch Vertreter aus Wirtschaft und Finanzwesen in die Produktionshallen.
Das Treffen war bewusst als Vernetzungsveranstaltung angelegt. Macher und Multiplikatoren sollten zusammenkommen. Ziel: den klimafreundlichen Baustoff bekannter machen und den Weg zur Marktreife beschleunigen.
Das Problem mit Zement: 40 Prozent der CO2-Emissionen
Zement ist einer der meistgenutzten Baustoffe der Welt. Seine Herstellung ist jedoch extrem energieintensiv. In NRW entfallen nach vorliegenden Schätzungen rund 40 Prozent aller CO2-Emissionen auf die Zementproduktion.
Genau hier setzt Co-reactive an. Der entwickelte Ersatzstoff soll überall dort eingesetzt werden, wo bisher Zement oder Beton zum Einsatz kommt. Das Unternehmen macht bislang keine genauen Angaben zum chemischen Verfahren. Klar ist: Die CO2-Bilanz soll deutlich besser ausfallen als beim klassischen Zement.
Ein Markt mit großem Potenzial
Der globale Zementmarkt zählt zu den größten Industriemärkten überhaupt. Wer eine skalierbare Alternative entwickelt, adressiert einen Milliardenmarkt. Co-reactive steht dabei vor der typischen Herausforderung junger Technologieunternehmen: Den Nachweis erbringen, dass das Verfahren im industriellen Maßstab funktioniert.
Die Demonstrationsanlage in Erkrath ist ein erster Schritt in diese Richtung. Investoren und Fördergeber wollen sehen, dass die Technologie nicht nur im Labor, sondern auch in der Praxis funktioniert.
NRW-Bank als möglicher Türöffner
Die Anwesenheit von Gabriela Pantring ist kein Zufall. Die NRW-Bank vergab in der Vergangenheit wiederholt Mittel an innovative Unternehmen im Land. Für Co-reactive könnte ein Einstieg der Förderbank den Zugang zu weiterem privatem Kapital erleichtern.
Das Wirtschaftsministerium unter Mona Neubaur setzt auf den Aufbau neuer industrieller Stärken in NRW. Der Strukturwandel im Ruhrgebiet und im Rheinischen Revier macht Druck. Neue Technologien aus der Region sollen zeigen, dass NRW mehr ist als Stahl und Kohle.
Erkrath als Standort für Innovationsunternehmen
Erkrath liegt im Kreis Mettmann, direkt an der Grenze zu Düsseldorf. Die Stadt ist bisher kein klassischer Technologiestandort. Mit Co-reactive und anderen Unternehmen wie der MENTOR GmbH, die ebenfalls Besuch von Ministerin Neubaur erhielt, wandelt sich das Bild langsam.
Die Stadt Erkrath selbst hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu sein. Wie das gelingen soll, ist nach Angaben der Stadtverwaltung noch nicht abschließend geklärt. Ein ansässiges Unternehmen, das einen klimafreundlichen Baustoff vermarkten will, passt zumindest thematisch gut ins Bild.
Fazit: Politische Aufmerksamkeit allein reicht nicht
Der Besuch von Wirtschaftsministerin Neubaur ist ein positives Signal für Co-reactive. Politische Sichtbarkeit öffnet Türen. Sie ersetzt aber keine Marktreife und kein belastbares Geschäftsmodell.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Demonstrationsanlage hält, was sie verspricht. Und ob Kapitalgeber bereit sind, das Unternehmen auf dem Weg zur Serienproduktion zu begleiten. Der Bedarf an klimafreundlichen Baustoffen ist real. Der Markt wartet auf Lösungen, die funktionieren.