Evonik streicht 3.200 weitere Stellen bis 2029
Evonik baut schneller und tiefer um als bisher bekannt. Der Essener Spezialchemiekonzern will bis Ende 2029 weitere 3.200 Stellen abbauen. Das ist der bislang größte Stellenabbau in der Geschichte des Unternehmens. Für die Beschäftigten an den NRW-Standorten bedeutet das Jahre der Unsicherheit.
Massive Ausweitung des Stellenabbaus
Bereits seit 2024 läuft bei Evonik ein umfangreiches Sparprogramm. Zunächst standen 1.500 Stellen auf der Streichliste. Nun weitet der Konzern die Pläne deutlich aus. 3.200 zusätzliche Stellen sollen bis Ende 2029 wegfallen. Vorstandschef Christian Kullmann begründet den Schritt mit der schwachen Konjunktur und der unsicheren Weltlage.
Der Stellenabbau kostet zunächst Geld. Für Abfindungen und Umstrukturierungsmaßnahmen plant Evonik rund 100 Millionen Euro ein. Das sind Einmalkosten, die kurzfristig auf das Ergebnis drücken. Langfristig soll der Umbau den Konzern schlanker und wettbewerbsfähiger machen.
Polyester-Geschäft wird aufgegeben
Parallel zum Stellenabbau zieht sich Evonik aus dem globalen Polyestergeschäft zurück. Dieses Segment erwirtschaftet zwar rund 150 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Es schreibt jedoch Verluste. Bis 2027 soll das Geschäft vollständig eingestellt werden.
Betroffen sind die Standorte Witten und Marl in NRW sowie ein Werk in Shanghai. Für die betroffenen Regionen ist das ein schmerzhafter Einschnitt. Beide Städte haben Evonik als einen der wichtigen Arbeitgeber vor Ort.
Beschäftigte unter Druck, Kündigungen ausgeschlossen
Für die Belegschaft ist die Lage belastend. Dennoch gibt es eine klare Schutzlinie. Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie bleiben betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis 2032 ausgeschlossen. Das ist ein zentrales Element der Vereinbarung zwischen Konzern und Arbeitnehmervertretern.
Die Gewerkschaft begleitet die Umbaupläne dennoch kritisch. Denn ausgeschlossene Kündigungen bedeuten nicht, dass Stellen erhalten bleiben. Der Konzern setzt auf Altersteilzeit, Abfindungen und natürliche Fluktuation. Beschäftigte bestimmter Jahrgänge werden gezielt angesprochen.
Führungskräfte besonders im Fokus
Evonik will vor allem bei den Führungsebenen sparen. Der Konzern hat erkannt, dass die Managementstrukturen zu aufgebläht sind. Weniger Hierarchie soll die Entscheidungswege verkürzen. Das trifft Ingenieure, Projektleiter und Bereichsverantwortliche besonders hart.
Für Beschäftigte, die ein Abfindungsangebot erhalten, stellen sich sofort rechtliche Fragen. Arbeitsrechtler empfehlen, solche Angebote nicht vorschnell anzunehmen. Die Fristen für Prüfungen und Gegenforderungen sind kurz.
Aktie unter Druck, Strategie umstritten
An der Börse reagieren Anleger verhalten. Die Evonik-Aktie steht seit Wochen unter Druck. Die Ankündigungen reihen sich in eine Serie negativer Meldungen ein. Investoren zweifeln, ob der Umbau schnell genug Früchte trägt.
Analytiker sehen die Lage differenzierter. Der Konzernumbau sei kein Alarmsignal, sondern ein notwendiger Schritt. Evonik konzentriert sich auf margenstarke Spezialchemie und gibt verlustbringende Bereiche auf. Das ist industriell nachvollziehbar.
Fazit: Harter Kurs mit langer Wirkung
Evonik vollzieht den größten Umbau seiner Geschichte. Die Zahlen sind eindeutig: Tausende Stellen fallen weg, ganze Geschäftsbereiche verschwinden. Für NRW-Standorte wie Marl und Witten ist das eine ernste Herausforderung. Der vereinbarte Schutz vor Kündigungen bis 2032 gibt Beschäftigten Zeit. Doch die strukturellen Veränderungen sind unumkehrbar. Wie gut der Konzern aus dem Umbau herauskommt, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.



