Fünfte Generation: 25-Jähriger führt Gelsenkirchener Baubetrieb weiter
130 Jahre Baugeschichte in einer Familie: Das schafft kaum ein Betrieb in Deutschland. Die Stallmann Bau GmbH aus dem Gelsenkirchener Stadtteil Heßler gehört zu den seltenen Ausnahmen. Mit Marco Stallmann steht nun die fünfte Generation bereit, das Unternehmen weiterzuführen. Der 25-Jährige ist ausgebildeter Maurer- und Betonbaumeister. Sein Vater Frank übergibt die Geschäfte.
Ein Betrieb, fünf Generationen
Die Stallmann Bau GmbH wurde vor rund 130 Jahren gegründet. Seitdem blieb das Unternehmen in Familienhand. Jede Generation hat den Betrieb durch ihre Zeit geführt: durch Kriege, Wirtschaftskrisen und den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Gelsenkirchen war lange eine Bergbau- und Industriestadt. Das Baugewerbe hat sich dort grundlegend verändert. Stallmann hat sich mit dem Wandel verändert.
Frank Stallmann hat das Unternehmen über viele Jahre geprägt. Nun gibt er die Verantwortung ab. Sein Sohn Marco bringt handwerkliche Qualifikation mit. Als Maurer- und Betonbaumeister kennt er das Kerngeschäft von der Pike auf. Theorie allein reicht im Bauhandwerk nicht. Marco Stallmann hat die praktische Seite des Berufs gelernt.
Moderner Dienstleister mit Traditionsanker
Die Stallmann Bau GmbH versteht sich heute als moderner Dienstleister. Das Unternehmen bietet An-, Um- und Neubau von Ein- und Mehrfamilienhäusern an. Der Wandel vom klassischen Handwerksbetrieb zum zeitgemäßen Bauunternehmen ist vollzogen. Das betont das Unternehmen selbst.
Genau dieser Spagat ist für viele mittelständische Baubetriebe die zentrale Herausforderung. Auf der einen Seite steht das handwerkliche Erbe. Auf der anderen Seite stehen neue Technologien, veränderte Kundenwünsche und steigende regulatorische Anforderungen. Wer beides nicht zusammenbringt, verliert den Anschluss.
Digitalisierung als Thema der neuen Generation
Junge Unternehmensnachfolger im Handwerk denken anders als ihre Vorgänger. Das zeigt sich auch bei Stallmann. Der Einsatz digitaler Werkzeuge auf der Baustelle ist kein Zukunftsthema mehr. Es ist Gegenwart. Neue Methoden in der Bauplanung und Kommunikation mit Kunden gehören dazu.
Viele Betriebe der Branche stehen vor ähnlichen Fragen. Wie lassen sich Fachkräfte gewinnen? Wie bleibt man als kleines Unternehmen wettbewerbsfähig? Wie nutzt man Technologie ohne den handwerklichen Kern zu verlieren? Marco Stallmann steht vor denselben Aufgaben wie hunderte andere Nachfolger in NRW.
Nachfolge als strukturelles Problem im Handwerk
Die Übergabe bei Stallmann ist ein positives Beispiel. Doch die Lage im Handwerk insgesamt ist angespannt. Viele Betriebe in NRW finden keinen Nachfolger aus der eigenen Familie. Die Zahl der Betriebsübergaben ohne Familienanschluss steigt. Handwerkskammern und IHKs warnen seit Jahren vor dieser Entwicklung.
Der Handwerksbetrieb mit geregelter Nachfolge ist deshalb keine Selbstverständlichkeit. Er ist eine Ausnahme, die es zu schützen lohnt. Für Gelsenkirchen, eine Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit und schwachem Wirtschaftswachstum, sind solche Betriebe besonders wertvoll. Sie schaffen Ausbildungsplätze. Sie vergeben Aufträge in der Region. Sie zahlen Gewerbesteuer vor Ort.
Stabilität durch Kontinuität
130 Jahre sind kein Selbstläufer. Hinter dieser Zahl stecken Entscheidungen. Jede Generation musste neu entscheiden, ob sie weitermacht. Frank Stallmann hat sich für die Übergabe entschieden. Marco Stallmann hat sich für die Übernahme entschieden. Das ist nicht selbstverständlich.
Im Bauhandwerk ist Vertrauen ein entscheidender Faktor. Kunden wählen oft Betriebe, die sie kennen. Ein Name, der seit Generationen in der Stadt bekannt ist, hat einen Wert. Diesen Wert kann kein Marketingbudget einfach ersetzen.
Fazit
Die Stallmann Bau GmbH aus Gelsenkirchen zeigt, was im Mittelstand möglich ist. Ein 130 Jahre altes Familienunternehmen findet einen jungen, qualifizierten Nachfolger aus den eigenen Reihen. Marco Stallmann übernimmt kein Museum. Er übernimmt ein funktionierendes Bauunternehmen mit Zukunftspotenzial. Für Gelsenkirchen und das NRW-Handwerk insgesamt ist das eine gute Nachricht.



