Glyphosat-Vergleich: Bayer kämpft um Milliarden vor US-Gerichten
Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer kämpft weiter um eine Einigung im jahrelangen US-Rechtsstreit um Glyphosat. Ein Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar gerät ins Stocken. Die Verzögerungen schlagen sich unmittelbar im Aktienkurs nieder.
Zuständigkeitsstreit verzögert Einigung
Ein spezielles US-Bundesrichtergremium hat den Fall verschoben. Das sogenannte JPML, das Judicial Panel on Multidistrict Litigation, verwies den Vergleich vorläufig von einem Gericht in Missouri an ein Bundesgericht in San Francisco, Kalifornien. Dieser Zuständigkeitswechsel ist keine Kleinigkeit. Er bedeutet neue Verfahrensschritte, neue Fristen und mögliche weitere Verzögerungen.
Für Bayer ist das eine schwierige Nachricht. Der Konzern wollte den jahrelangen Rechtsstreit mit dem milliardenschweren Vergleich endlich abschließen. Ausgangspunkt des Streits ist der Unkrautvernichter Glyphosat. Kläger in den USA werfen dem Mittel vor, Krebs zu verursachen. Bayer hatte das Produkt mit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 erworben.
Milliardenlast seit der Monsanto-Übernahme
Die Übernahme von Monsanto kostete Bayer rund 63 Milliarden Dollar. Sie brachte dem Konzern aber auch Zehntausende Klagen in den USA ein. Kläger beschuldigen Glyphosat, das Non-Hodgkin-Lymphom, eine Krebserkrankung des Lymphsystems, zu verursachen. Bayer bestreitet einen Zusammenhang zwischen dem Herbizid und Krebs.
Behörden weltweit, darunter die europäische Lebensmittelbehörde EFSA und die US-amerikanische Umweltbehörde EPA, haben Glyphosat wiederholt als sicher eingestuft. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC hingegen klassifizierte den Wirkstoff 2015 als wahrscheinlich krebserregend. Dieser wissenschaftliche Streit bildet den Hintergrund für die juristische Auseinandersetzung in den USA.
Aktienkurs unter Druck
Die Nachricht über die neue juristische Hürde traf den Aktienkurs sofort. Bayer-Papiere rutschten nach Bekanntwerden der Entscheidung des JPML spürbar ab. Investoren reagieren sensibel auf jede Verzögerung. Der Konzern hatte gehofft, mit dem Vergleich Rechtsrisiken in Milliardenhöhe dauerhaft vom Tisch zu bekommen.
Für den Standort Leverkusen und die rund 100.000 Mitarbeiter des Konzerns weltweit sind das keine guten Nachrichten. Bayer steckt ohnehin in einer Phase des Umbaus. Der Konzern hat in den vergangenen Quartalen mit schwachen Ergebnissen gekämpft. Der Glyphosat-Streit bindet Managementkapazitäten und belastet die Bilanz.
Was der Streit für NRW bedeutet
Bayer ist einer der größten Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen. Der Konzern hat seinen Hauptsitz in Leverkusen und betreibt mehrere große Standorte im Bundesland. Die juristische Unsicherheit rund um Glyphosat wirkt sich auf die Planungssicherheit des Unternehmens aus. Investitionen und Stellenentscheidungen hängen auch davon ab, wie teuer die US-Rechtsstreitigkeiten am Ende werden.
Für den Mittelstand und die Zulieferer rund um den Bayer-Konzern ist die Stabilität des Unternehmens ebenfalls relevant. Viele kleinere Unternehmen in der Region arbeiten direkt oder indirekt mit Bayer zusammen. Eine langanhaltende juristische Belastung des Konzerns kann Aufträge und Partnerschaften gefährden.
Langer Weg bis zur endgültigen Lösung
Bayer hat in der Vergangenheit bereits einen Teil der Klagen durch Vergleiche beigelegt. Im Jahr 2020 einigte sich der Konzern auf einen Vergleich über rund elf Milliarden Dollar für bereits laufende Klagen. Doch neue Klagen kommen weiter hinzu. Der nun geplante Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar soll auch künftige Fälle abdecken.
Genau dieser Punkt ist juristisch komplex. US-Gerichte prüfen solche umfassenden Vergleiche sehr genau. Es muss sichergestellt sein, dass auch zukünftige Kläger fair behandelt werden. Das erklärt die Skepsis der Gerichte und die Verweisung an ein anderes Gericht.
Fazit
Bayer bleibt in einem zähen Rechtsstreit gefangen, der seit der Monsanto-Übernahme den Konzern belastet. Der geplante Milliarden-Vergleich stockt, der Aktienkurs leidet. Wie lange der Weg bis zu einer endgültigen Lösung noch dauert, ist offen. Für den Wirtschaftsstandort NRW bleibt die Entwicklung des Leverkusener Konzerns ein wichtiger Faktor.



