Goch: Stadtrat vertagt Entscheidung über Wirtschaftsförderer
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Der Gocher Stadtrat hat die Entscheidung über einen neuen Wirtschaftsförderer überraschend verschoben. Dabei schien die Sache kurz vor dem Abschluss zu stehen. Ein Arbeitskreis hatte aus 81 Bewerbungen sechs Kandidaten ausgewählt. Die Verwaltung präsentierte diese dem Rat in nichtöffentlicher Sitzung. Zu einer Abstimmung kam es nicht.
Mehr als zwei Jahre ohne Führung
Die Wirtschaftsförderung der Stadt Goch am Niederrhein war über 32 Monate ohne Leitung. Michael Seggewiß hatte das Amt aufgegeben. Danach begann eine zähe Suche nach einem Nachfolger. Die Stelle wurde zunächst nicht neu ausgeschrieben. Die Politik suchte erst nach einer neuen Struktur für die Wirtschaftsförderung. Eine Sondersitzung des Rates wurde eigens einberufen.
Für eine Stadt wie Goch mit rund 35.000 Einwohnern ist eine funktionsfähige Wirtschaftsförderung kein Luxus. Sie ist das Bindeglied zwischen Stadtverwaltung, Unternehmen und Investoren. Mehr als zwei Jahre Vakanz hinterlassen Spuren: Ansiedlungsgespräche stocken, Projekte verzögern sich, Unternehmen warten auf Ansprechpartner.
Kandidaten ausgewählt, Abstimmung vertagt
Ein Arbeitskreis hatte die Bewerberlage gesichtet. Aus 81 Einsendungen wählten die Beteiligten sechs Kandidaten aus. Die Verwaltung stellte diese dem Stadtrat vor. Der nichtöffentliche Teil der Sitzung verlief offenbar planmäßig.
Dann kam die Überraschung: Eine Abstimmung fand nicht statt. Die Hintergründe sind nicht vollständig öffentlich bekannt. Das Verfahren zieht sich damit weiter hin. Für die Kandidaten bedeutet das Warten, für die lokale Wirtschaft Unsicherheit.
Politik ringt um die richtige Struktur
Der Vorgang zeigt ein tiefer liegendes Problem. Die Gocher Politik ist sich offenbar noch nicht einig, wie Wirtschaftsförderung künftig organisiert sein soll. Das ist keine neue Erkenntnis. Bereits nach dem Weggang von Seggewiß wurde diese Frage diskutiert. Damals berief der Rat eine Sondersitzung ein. Eine belastbare Antwort blieb lange aus.
Solche strukturellen Debatten sind berechtigt. Wirtschaftsförderung kann kommunal organisiert sein, als GmbH ausgelagert oder in Kooperation mit dem Kreis betrieben werden. Jede Variante hat Vor- und Nachteile. Doch wenn die Strukturfrage die Personalentscheidung blockiert, zahlt die lokale Wirtschaft den Preis.
Was die Verzögerung für den Mittelstand bedeutet
Goch ist ein typischer mittelständisch geprägter Standort am Niederrhein. Handwerksbetriebe, kleinere Produktionsunternehmen und Dienstleister bilden das wirtschaftliche Rückgrat. Diese Unternehmen brauchen keine großen Förderprogramme, sondern pragmatische Unterstützung: bei Genehmigungsverfahren, bei der Flächensuche, bei Kontakten zur Verwaltung.
Genau das leistet ein erfahrener Wirtschaftsförderer. Fehlt diese Funktion über Jahre, entstehen stille Schäden. Investitionen wandern in Nachbarkommunen ab. Betriebe, die expandieren wollen, suchen sich andere Standorte. Das lässt sich später schwer aufholen.
Nächste Schritte unklar
Wann der Gocher Stadtrat erneut tagt und die Entscheidung nachholt, ist derzeit offen. Die sechs Kandidaten wurden bereits ausgewählt. Das Verfahren müsste nun zügig zum Abschluss kommen. Jede weitere Verzögerung kostet Glaubwürdigkeit, sowohl bei den Bewerbern als auch bei der lokalen Wirtschaft.
Fazit
Goch hat 32 Monate gebraucht, um sechs geeignete Kandidaten zu identifizieren. Nun zögert der Stadtrat erneut. Die strukturellen Fragen sind legitim, doch sie hätten längst beantwortet sein müssen.



