Gründerinnen in NRW: Potenzial zu wenig genutzt
Die deutsche Wirtschaft ist eine Männerdomäne. Das gilt für Führungsetagen genauso wie für die Gründungsszene. Dabei könnten Gründerinnen einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Nordrhein-Westfalen leisten. Die Voraussetzungen dafür müssen erst geschaffen werden.
Frauen gründen anders, aber nicht schlechter
Studien zeigen ein klares Bild. Frauen planen beim Gründen vorsichtiger als Männer. Sie nehmen seltener externes Kapital auf. Und sie wollen schneller aus eigener Kraft profitabel werden. Das klingt nach Nachteil, ist aber oft ein Zeichen solider Unternehmensführung.
Gründerinnen haben häufig einen Hintergrund in sozialen oder kreativen Fächern. Das bringt andere Perspektiven in die Wirtschaft. Genau das ist gefragt. Diversität fördert Innovation. Eine Wirtschaft, die auf die Hälfte ihrer Bevölkerung verzichtet, verschenkt Potenzial.
Dennoch bleibt der Anteil weiblicher Unternehmerinnen gering. Die Gründungsszene in Deutschland ist nach wie vor männlich geprägt. In einzelnen Bundesländern im Osten liegt der Anteil von Gründerinnen anteilig höher. In NRW besteht noch deutlicher Nachholbedarf.
Köln setzt auf Workshops und Netzwerke
In Köln gibt es Ansätze, das zu ändern. Ronny Strasser organisiert Veranstaltungsformate rund um das Thema Selbstständigkeit für Frauen. Die Resonanz ist positiv. Strasser würde solche Formate am liebsten regelmäßig anbieten.
Workshops und Netzwerke sind dabei oft entscheidender als Kapital. Das zeigen Erfahrungen aus der Praxis. Wer den richtigen Ansprechpartner kennt, kommt schneller voran. Mentoring gibt Orientierung. Beides fehlt vielen potenziellen Gründerinnen noch.
Auch die Kölner Unternehmensberatung Female Ressources setzt an diesem Punkt an. Das Unternehmen fördert gezielt weibliche Führungskräfte und Unternehmerinnen. Ziel ist es, vorhandene Potenziale sichtbar zu machen und nutzbar zu machen.
Selbstständigkeit muss kein Vollzeitprojekt sein
Ein verbreitetes Missverständnis hält viele Frauen vom Gründen ab. Die Annahme: Selbstständigkeit erfordert sofort 40 Stunden pro Woche. Das stimmt nicht. Ein Teilzeiteinstieg ist möglich. Viele erfolgreiche Unternehmerinnen haben klein angefangen.
Gerade für Frauen mit Familienverantwortung ist das ein wichtiger Punkt. Flexible Modelle machen den Einstieg realistischer. Sie senken die Hemmschwelle. Und sie erlauben es, Risiken zu begrenzen, ohne den Schritt ganz zu scheuen.
Die Wirtschaftsförderung in NRW hat das erkannt. Das Landesportal Gründen.nrw listet spezifische Angebote für Gründerinnen. Förderberatung, Vernetzungsformate und gezielte Programme sollen die Lücke schließen.
Strukturelle Hürden bleiben bestehen
Trotz der Fortschritte bleiben strukturelle Probleme. Frauen erhalten seltener Wagniskapital als männliche Gründer. Netzwerke in der Finanzbranche sind nach wie vor überwiegend männlich. Das erschwert den Zugang zu Investoren.
Hinzu kommt die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit. Frauen übernehmen in Deutschland nach wie vor den Großteil der Kinderbetreuung und Pflege. Das begrenzt Zeit und Energie für unternehmerische Projekte. Ohne bessere Rahmenbedingungen ändert sich daran wenig.
Für die Wirtschaft in NRW ist das ein Problem. Fachkräftemangel, demografischer Wandel und Strukturwandel verlangen neue Antworten. Weibliches Unternehmertum kann Teil dieser Antwort sein. Vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen.
Fazit
Gründerinnen sind kein Nischenprojekt. Sie sind ein wirtschaftliches Potenzial, das NRW bisher nicht ausschöpft. Köln zeigt, wie Förderung konkret aussehen kann. Workshops, Netzwerke und flexible Einstiegsmodelle helfen. Nötig sind aber auch bessere strukturelle Rahmenbedingungen, von der Kinderbetreuung bis zum Kapitalzugang. Erst dann kann weibliches Unternehmertum seinen vollen Beitrag leisten.