Handwerk

Handwerk und DGB NRW: Dialog über Sozialversicherung

Die Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern haben sich mit Thorben Albrecht zusammengesetzt. Albrecht ist seit Dezember 2025 Vorsitzender des DGB NRW. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Sozialversicherungssysteme. Das Format war bewusst informell gewählt: ein sogenanntes Kamingespräch.

Handwerk und Gewerkschaft im direkten Austausch

Solche Gespräche zwischen Handwerkskammern und Gewerkschaftsvertretern sind keine Selbstverständlichkeit. Handwerk und DGB stehen in manchen Fragen auf verschiedenen Seiten. Umso bemerkenswerter ist das Signal dieses Treffens. Beide Seiten haben offenbar ein Interesse daran, die Positionen des jeweils anderen besser zu verstehen.

Die Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der Handwerkskammern repräsentieren die Beschäftigten im Handwerk. Sie sind in den Kammern gesetzlich vorgeschriebene Vertreter der Arbeitnehmerseite. Ihre Rolle unterscheidet sich von der der Arbeitgeber-Vizepräsidenten. Genau deshalb ist ihr Dialog mit dem DGB naheliegend.

Sozialversicherung: Ein Thema mit Sprengkraft

Die Sozialversicherungssysteme belasten Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen. Die Beitragssätze zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Für kleine Handwerksbetriebe sind diese Kosten ein erheblicher Faktor. Fachkräfte vergleichen ihr Nettogehalt mit dem Bruttolohn und ziehen Schlüsse.

Albrecht bringt in diese Debatte eine klare Haltung mit. Der DGB NRW hat sich in der Vergangenheit für eine breitere Finanzierungsbasis der Sozialversicherung eingesetzt. Gleichzeitig fordert der neue DGB-Chef mehr Ausbildungsengagement von den Unternehmen. Nur jeder fünfte Betrieb in Deutschland bildet derzeit aus. Das sei zu wenig, hat Albrecht öffentlich erklärt.

Tariftreue als weiteres Streitthema

Ein weiteres Thema, das Handwerk und DGB beschäftigt, ist das Tarifentgeltsicherungsgesetz. Das NRW-Kabinett hat dieses Gesetz beschlossen. Es schreibt vor, dass öffentliche Aufträge nur noch an tariftreue Unternehmen vergehen werden. Albrecht hat das Gesetz ausdrücklich begrüßt. Der DGB NRW habe jahrelang dafür gekämpft.

Auch interessant  Versicherungen für Handwerker: Welche Policen wirklich nötig sind

Für das Handwerk ist diese Regelung eine zweischneidige Angelegenheit. Größere Betriebe mit Tarifbindung können davon profitieren. Kleinere Handwerksbetriebe ohne Tarifvertrag hingegen könnten bei der Vergabe öffentlicher Aufträge das Nachsehen haben. Das schafft Gesprächsbedarf.

Albrecht: Neuer Vorsitzender mit klarem Kurs

Thorben Albrecht übernahm den DGB-NRW-Vorsitz im Dezember 2025. Die Delegierten der 23. Bezirkskonferenz wählten ihn in dieses Amt. Er folgt auf Anja Piel. Albrecht ist Mitglied der IG Metall und von ver.di. Seine Stellvertreterin ist Anke Unger, die dieses Amt bereits seit Juni 2023 innehat.

Der neue DGB-Chef setzt auf Dialog mit unterschiedlichen Akteuren. Das Kamingespräch mit den Handwerkskammer-Vertretern ist ein frühes Signal dafür. Albrecht ist kein Unbekannter in der politischen Landschaft Nordrhein-Westfalens. Seinen Einstieg in die neue Rolle hat er offenbar mit gezielten Gesprächsterminen begonnen.

Fazit: Dialog ist kein Selbstzweck

Das Kamingespräch zwischen DGB-NRW-Chef Albrecht und den Handwerkskammer-Vertretern ist mehr als eine Höflichkeitsveranstaltung. Die Themen, die auf dem Tisch lagen, sind handfest: Sozialversicherungskosten, Tarifbindung, Ausbildungsquoten. Diese Fragen betreffen täglich Tausende von Handwerksbetrieben in NRW und ihre Beschäftigten. Ob aus dem informellen Austausch konkrete Positionen entstehen, bleibt zu beobachten. Der Gesprächsfaden ist jedenfalls geknüpft.

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"