Handwerkskammer OWL: Wachstum von 0,5 Prozent ist nicht genug
Die Handwerkskammer Bielefeld hat auf ihrer Vollversammlung klare Worte gefunden. Ein erwartetes Wirtschaftswachstum von lediglich 0,5 Prozent sei besorgniserregend. Geld allein löse die Probleme nicht. Die Kammer fordert tiefgreifende Reformen in der Politik.
Vollversammlung mit deutlicher Botschaft
Die Vollversammlung der Handwerkskammer Bielefeld stand unter keinem guten Vorzeichen. Das wirtschaftliche Umfeld belastet die Betriebe in der Region spürbar. Die Vertreter der Kammer machten deutlich: Der Status quo ist keine Option mehr.
Die Handwerkskammer vertritt die Interessen von Betrieben in Ostwestfalen-Lippe. Die Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld allein repräsentiert gut 4.300 Betriebe. Die Forderungen der Vollversammlung treffen also eine breite Basis des regionalen Handwerks.
Drei Kernforderungen an die Politik
Die Kammer benennt konkrete Baustellen. Bürokratie abbauen steht ganz oben auf der Liste. Handwerker und Handwerkerinnen verbringen zu viel Zeit mit Verwaltungsaufgaben. Das geht auf Kosten des eigentlichen Betriebs.
Sozialsysteme zukunftsfest machen
Ein weiterer Punkt ist die Reform der Sozialversicherungssysteme. Die Kammer sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Steigende Lohnnebenkosten belasten die Betriebe direkt. Für Kleinstbetriebe und Familienunternehmen wiegt das besonders schwer.
Berufliche Bildung stärken
Die Kammer betont auch die Bedeutung der beruflichen Bildung. Fachkräftemangel ist im Handwerk längst kein abstraktes Problem mehr. Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Die Attraktivität der Ausbildungsberufe muss gestärkt werden.
Geld allein reicht nicht
Die Kammer hatte diesen Kurs bereits früher eingeschlagen. Schon im März 2025 hieß es: Ein voller Geldtopf bringe noch keine wirtschaftliche Wende. Zusätzliche finanzielle Spielräume müssten mit Reformen einhergehen. Diese Haltung wiederholt die Kammer nun mit Nachdruck.
Das NRW-Handwerk hatte im Mai 2026 das Entlastungspaket der Landesregierung begrüßt. Der Westdeutsche Handwerkskammertag forderte aber gleichzeitig die konsequente Umsetzung. Ankündigungen allein reichen den Betrieben nicht mehr.
Debattenkultur bereitet zusätzlich Sorgen
Die Vollversammlung thematisierte auch die politische Debattenkultur in Deutschland. Die Art, wie gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen diskutiert werden, stelle die Demokratie vor Herausforderungen. Die Kammer sieht darin eine zusätzliche Belastung für das Vertrauen der Unternehmer.
Fazit
Die Handwerkskammer Bielefeld sendet ein klares Signal. Das Handwerk in OWL braucht keine Beruhigungspillen, sondern konkrete politische Maßnahmen. Bürokratieabbau, stabile Sozialsysteme und eine stärkere Ausbildungsförderung sind keine Wunschliste. Sie sind Voraussetzung dafür, dass Betriebe planen und investieren können. Die Politik ist nun gefragt zu liefern.


