
Hattingen: Rote Zahlen bei einem Fünftel der Betriebe
Hattingen sendet wirtschaftliche Warnsignale. Jedes fünfte Unternehmen in der Stadt an der Ruhr schreibt rote Zahlen. Das ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Ausdruck einer strukturellen Belastung, die den Standort seit Jahren unter Druck setzt.
Standort unter Druck
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Hattingen belegt im aktuellen Standortranking Deutschland Rang 452, das entspricht 23,91 Punkten. Gegenüber der Vorversion des Rankings hat die Stadt acht Plätze verloren. Für eine mittelgroße Ruhrgebietsstadt mit rund 55.000 Einwohnern ist das ein deutliches Warnsignal.
Dabei hat Hattingen durchaus wirtschaftliche Substanz. Zwölf Unternehmen aus der Stadt zählen zu den deutschen Top-Unternehmen; im Unternehmensranking bedeutet das Rang 380. Das ist solide, gleicht die strukturellen Probleme aber nicht aus.
Wirtschaft im Wandel
Das Wirtschaftsleben in Hattingen ist traditionell industriell geprägt. Maschinenbau, Fahrzeugbau und Elektrotechnik bilden das Rückgrat, Umwelttechnik ist ein jüngerer Wachstumsbereich. Gesundheitswirtschaft, Gastronomie und Dienstleistungen tragen zur Wertschöpfung bei.
Die Henrichshütte steht symbolisch für den Strukturwandel. Das einstige Stahlwerk ist heute ein Gewerbe- und Landschaftspark, die Stadt hat das Gelände für neue Unternehmen geöffnet. Doch die Transformation braucht Zeit und Kapital, das vielen Betrieben fehlt.
Altlasten aus der Vergangenheit
Hattingen trägt eine schwere finanzielle Last. Seit 2010 ist die Stadt bilanziell überschuldet. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag stieg von zunächst 20,9 Millionen Euro auf 86,6 Millionen Euro im Jahresabschluss 2015. Diese kommunale Schwäche wirkt sich direkt auf die Unternehmen aus: Investitionen in Infrastruktur, Gewerbeflächen und Wirtschaftsförderung bleiben begrenzt.
Insolvenzverfahren für Hattinger Unternehmen werden beim Amtsgericht Essen geführt. Der Weg zur Rechtsabwicklung führt damit schon formell aus der Stadt heraus.
Was die Verluste bedeuten
Wenn jedes fünfte Unternehmen Verluste schreibt, hat das konkrete Folgen. Investitionen werden zurückgestellt, Stellen nicht besetzt oder abgebaut. Der Druck auf die verbleibenden Beschäftigten steigt, und Unternehmer geraten in einen Teufelskreis aus sinkender Liquidität und steigenden Kosten.
Besonders betroffen sind kleinere Betriebe ohne große Kapitalreserven. Handwerk, Einzelhandel und kleine Dienstleister haben weniger Puffer als größere Industrieunternehmen. Genau diese Betriebe prägen aber das Stadtbild und die lokale Versorgung.
NRW als Maßstab
Nordrhein-Westfalen ist die größte Volkswirtschaft unter den deutschen Bundesländern. Das Bruttoinlandsprodukt liegt 2025 bei rund 909 Milliarden Euro, das entspricht rund 22 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Vor diesem Hintergrund wirkt die Lage in Hattingen besonders kontrastreich: Das Land wächst insgesamt, aber einzelne Städte hängen ab.
Die Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW vertritt die Interessen der Wirtschaft im bevölkerungsreichsten Bundesland. Für Städte wie Hattingen wäre es relevant, dass diese Interessenvertretung auch strukturschwache Kommunen im Blick behält.
Hattingen braucht Impulse
Die hohe Verlustquote bei Hattinger Unternehmen ist ein ernstes Signal. Der Standort hat Stärken, etwa die industrielle Tradition und die Lage im Ruhrgebiet. Ohne Entlastung bei der kommunalen Schuldenlast und mehr Spielraum für Wirtschaftsförderung riskiert Hattingen, weitere Unternehmen und damit Arbeitsplätze zu verlieren.



