
Hormus-Krise trifft BASF kaum: Rohstoff-Flexibilität als Schutzschild
Die Spannungen im Persischen Golf treffen die deutsche Chemieindustrie hart. BASF aus Ludwigshafen bildet dabei eine Ausnahme. Der weltgrößte Chemiekonzern meldet, die zeitweilige Schließung der Straße von Hormus bislang nur indirekt gespürt zu haben. Der Grund liegt in der Struktur des Unternehmens.
Regionale Produktion schützt vor Lieferkettenrisiken
BASF produziert in Europa, Nordamerika und Asien. Die Lieferketten sind weitgehend integriert, viele Rohstoffe werden direkt vor Ort weiterverarbeitet. Lange Transportwege über kritische Seestraßen fallen deshalb weniger ins Gewicht als bei anderen Unternehmen.
Hinzu kommt eine hohe Flexibilität bei der Rohstoffauswahl. Wenn Naphtha durch Marktturbulenzen teurer wird, kann BASF auf Butan oder Propan umsteigen. Diese Substitution funktioniert in den großen Upstream-Anlagen des Konzerns reibungslos, spart Kosten und verringert die Abhängigkeit von einzelnen Lieferwegen.
Indirekte Effekte statt direkter Ausfälle
Ganz ohne Folgen bleibt die Iran-Krise allerdings nicht. Laut Unternehmensangaben wirken sich die gestörten Handelswege vor allem indirekt aus: steigende Rohstoffpreise auf den globalen Märkten und veränderte Wettbewerbssituationen. Direkte Produktionsunterbrechungen hat BASF bisher nicht gemeldet.
Für den Mittelstand in Nordrhein-Westfalen ist dieser Unterschied relevant. Viele kleine und mittlere Chemieunternehmen sowie Zulieferer beziehen Vorprodukte aus globalen Handelsströmen. Sie können nicht so flexibel reagieren wie ein Konzern mit eigenen integrierten Produktionsverbünden.
Europa als Gewinner geopolitischer Verschiebungen
BASF sieht in der aktuellen Lage auch Chancen. Wenn asiatische Konkurrenten stärker von Lieferkettenstörungen betroffen sind, verbessert sich die Wettbewerbsposition europäischer Hersteller. Kunden in Europa suchen verlässliche Lieferanten. Wer regional produziert und stabile Versorgung bietet, kann Marktanteile gewinnen.
Das gilt auch für die chemische Industrie in NRW. Im Rheinisch-Bergischen Kreis, im Großraum Köln und im Ruhrgebiet sitzen zahlreiche Chemiebetriebe, viele davon mit Spezialchemikalien, die weltweit gefragt sind. Stabile Produktionsbedingungen in Europa können zum Standortvorteil werden.
Was mittelständische Betriebe daraus lernen können
Das Beispiel BASF zeigt, welche Faktoren Unternehmen in Krisenzeiten widerstandsfähig machen. Rohstoffflexibilität ist ein zentraler Punkt. Wer nur auf einen einzigen Rohstoff oder Lieferanten setzt, ist verwundbar. Diversifizierung kostet zunächst Geld, zahlt sich aber in unsicheren Zeiten aus.
Kurze Lieferketten bieten weniger Angriffsfläche. Für den Mittelstand bedeutet das: Partnerschaften mit europäischen Lieferanten stärken, lokale Beschaffung prüfen und Abhängigkeiten von Fernost-Importen reduzieren.
Integrierte Produktion, wie BASF sie im großen Maßstab betreibt, ist für kleine Unternehmen nicht direkt übertragbar. Das Prinzip gilt aber auch im Kleinen: Wer möglichst viele Stufen der Wertschöpfung selbst kontrolliert, reagiert schneller auf externe Schocks.
Fazit
BASF zeigt, dass geopolitische Krisen nicht zwangsläufig Verlustgeschäfte bedeuten müssen. Strukturelle Stärken schützen besser als kurzfristige Reaktionen. Für den Mittelstand in NRW gilt: Wer jetzt seine Lieferketten überprüft und Rohstoffquellen diversifiziert, ist besser aufgestellt für die nächste Störung.

