HWK OWL: Schwaches Wachstum alarmiert Handwerk in OWL
Die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld richtet einen deutlichen Appell an die Politik. Auf ihrer Vollversammlung machte die Kammer klar: Die wirtschaftliche Lage im Land bereitet dem Handwerk in der Region ernsthafte Sorgen. Ein prognostiziertes Wachstum von lediglich 0,5 Prozent für das laufende Jahr sei nicht ausreichend. Deutschland brauche spürbare Reformen.
Vollversammlung mit klarer Botschaft
Die Vollversammlung der Handwerkskammer OWL in Bielefeld ist das wichtigste Gremium der Kammer. Hier versammeln sich die gewählten Vertreter der rund 27.000 Mitgliedsbetriebe aus Ostwestfalen-Lippe. Die Stimmung fiel in diesem Jahr angespannt aus.
Das Handwerk in der Region reagiert sensibel auf konjunkturelle Signale. Schon in früheren Befragungen zeigte sich diese Nervosität deutlich. Bei einer Umfrage unter Mitgliedsbetrieben gaben einmal 39 Prozent an, Umsatzeinbußen zu befürchten. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 14 Prozent. Das zeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann.
Bürokratie als zentrales Hemmnis
Auf der Vollversammlung benannte die Kammer konkrete Forderungen. Deutschland brauche Reformen, die Bürokratie abbauen. Gleichzeitig müssten die Sozialsysteme stabiler und planbarer werden. Beides sind Dauerthemen im Handwerk.
Gerade kleine Betriebe mit wenigen Mitarbeitern leiden unter dem Verwaltungsaufwand. Formulare, Meldepflichten und gesetzliche Auflagen kosten Zeit. Diese Zeit fehlt im Tagesgeschäft. Für einen Tischlereibetrieb mit fünf Beschäftigten oder eine Bäckerei mit zwei Filialen ist das spürbar.
Fachkräftemangel verschärft die Lage
Neben der Konjunktur beschäftigt die Kammer auch der Nachwuchsmangel. Viele Betriebe finden keine geeigneten Auszubildenden. Die Handwerkskammer OWL setzt deshalb auf neue Zielgruppen. Frauen im Handwerk sind dabei ein klarer Schwerpunkt. Als Azubis, Meisterinnen, Gründerinnen oder Betriebsnachfolgerinnen sollen sie stärker angesprochen werden. Die Kammer hat nach eigenen Angaben den direkten Draht zu den Betrieben. Das macht sie zu einer wichtigen Vermittlerin in dieser Frage.
Bauordnung als positives Signal
Nicht alles ist derzeit negativ. Die novellierte Landesbauordnung NRW bringt dem Bauhandwerk in Ostwestfalen-Lippe Erleichterungen. Die Handwerkskammer OWL begrüßt die Änderungen. Betriebe und Auftraggeber profitieren von klareren Regelungen. Das ist ein konkreter Schritt, der im Alltag ankommt.
Solche gezielten Entlastungen zeigen, was möglich ist. Die Kammer sieht darin ein Modell. Weitere Vereinfachungen in anderen Bereichen könnten die Branche spürbar entlasten.
Kammer fordert politisches Handeln
Die Handwerkskammer OWL mit Sitz am Campus Handwerk 1 in Bielefeld vertritt die Interessen von Betrieben aus dem gesamten Regierungsbezirk Detmold. Die Region umfasst Kreise wie Gütersloh, Herford, Lippe, Minden-Lübbecke und den Kreis Paderborn. Das ist ein wirtschaftlich bedeutsames Gebiet in Nordrhein-Westfalen.
Die Forderungen der Vollversammlung richten sich an Land und Bund. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen fehlt Betrieben die Planungssicherheit. Investitionen bleiben aus. Stellen werden nicht besetzt. Das Handwerk braucht ein stabiles Umfeld, um seine Funktion als regionaler Arbeitgeber und Ausbilder zu erfüllen.
Fazit
Die Handwerkskammer OWL in Bielefeld spricht klar. Das schwache Wirtschaftswachstum reicht nicht aus, um die Branche zu stabilisieren. Bürokratieabbau, verlässliche Sozialsysteme und gezielte Nachwuchsförderung sind die drei Hebel, die jetzt angesetzt werden müssen. Die Kammer ist bereit, dabei eine aktive Rolle zu spielen. Die Politik muss liefern.


