IHK Siegen warnt: 13 Prozent weniger Ausbildungsplätze
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Die Zahlen sind eindeutig. In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe sind die Ausbildungsplätze um 13 Prozent zurückgegangen. Damit liegt die Region auch im NRW-weiten Vergleich schlecht. IHK-Geschäftsführerin Sabine Bechheim machte die Lage auf Basis einer Umfrage unter 270 Ausbildungsbetrieben öffentlich. Die Ergebnisse beunruhigen Wirtschaft und Kammer gleichermaßen.
Betriebe klagen über schwindende Bewerberzahlen
Die Unternehmen in der Region bekommen den Rückgang direkt zu spüren. Weniger junge Menschen bewerben sich auf freie Ausbildungsstellen. Schwerer wiegt ein zweites Problem: Die Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber lassen nach. Das berichten die befragten Betriebe übereinstimmend. Grundlegende Fähigkeiten in Rechnen, Schreiben und Kommunikation fehlen häufiger als früher.
270 Ausbildungsbetriebe haben an der IHK-Umfrage teilgenommen. Die Rückmeldungen zeichnen ein klares Bild. Die Lücke zwischen dem, was Betriebe erwarten, und dem, was Schulabgänger mitbringen, wächst. Das bremst Unternehmen bei der Nachwuchsgewinnung spürbar aus.
Schule und Wirtschaft sollen enger zusammenarbeiten
Die IHK Siegen setzt auf strukturierte Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen. In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe tragen derzeit sechs Schulen ein entsprechendes Qualitätssiegel. Es zeichnet Schulen aus, die die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft besonders aktiv gestalten. Eine Jury aus Unternehmensvertretern, Verbänden, Kammern, Schulaufsicht, Lehrkräften und Gewerkschaften vergibt die Zertifizierung.
Solche Strukturen sollen Jugendliche frühzeitig mit der Berufswelt in Kontakt bringen. Moderne Ausbildungsberufe bieten nach Einschätzung der IHK vielseitige Perspektiven. Das müsse aber auch ankommen – bei Schülerinnen und Schülern, aber auch bei Eltern und Lehrkräften.
Berufsmessen als Brückenangebot
Ein Baustein der Nachwuchsgewinnung sind die regionalen Berufsmessen. Mehr als 4.600 Besucherinnen und Besucher haben sich zuletzt über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in der Region informiert. Die Messekonzepte in Wittgenstein, im Altkreis Siegen und im Kreis Olpe wurden überarbeitet, was sich positiv auf Resonanz und Besucherzahlen auswirkte.
Solche Veranstaltungen schaffen direkte Begegnungen zwischen Jugendlichen und Betrieben. Sie zeigen konkret, was eine Ausbildung bedeutet und welche Karrierewege sie eröffnet. Die IHK sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchssicherung.
Rückgang trifft Mittelstand besonders hart
Vor allem kleine und mittlere Betriebe spüren den Mangel an Bewerbern direkt. Sie haben keine eigene Personalabteilung und keine großen Marketingbudgets für Recruiting. Viele sind auf persönliche Empfehlungen und regionale Netzwerke angewiesen. Wenn der Pool an geeigneten Bewerbern schrumpft, trifft das den Mittelstand zuerst.
Hinter dem Rückgang von 13 Prozent bei den Ausbildungsplätzen stecken Betriebe, die mangels geeigneter Kandidaten keine Verträge abschließen. Das ist kein freiwilliger Verzicht, sondern Resignation aus Erfahrung.
Ausbildungskrise braucht gemeinsame Antworten
Die Ausbildungskrise im Raum Siegen-Wittgenstein und Olpe steht exemplarisch für die Herausforderungen, vor denen der Mittelstand in NRW steht. Weniger Bewerber, sinkende Qualifikationen und ein Rückgang bei den Ausbildungsverträgen verstärken sich gegenseitig.
Die IHK Siegen reagiert mit Messen, Schulkooperationen und öffentlichem Druck. Ob das reicht, hängt auch von der Politik ab. Betriebe brauchen verlässliche Partner, keine weiteren Hürden.



