Industriestrompreis: Für Stahl in NRW kaum mehr als ein Symbol
Der Industriestrompreis ist da, doch die Erleichterung bleibt aus. Für die Stahlbranche in Nordrhein-Westfalen ändert die neue Regelung wenig. Knut Giesler, NRW-Chef der IG Metall und Aufsichtsratsvize bei Thyssenkrupp Steel, bringt es auf den Punkt: Die Entlastung über den Industriestrompreis tendiere gegen null.
Was der Industriestrompreis leisten soll und was nicht
Die Bundesregierung hat den Industriestrompreis auf drei Jahre begrenzt. Er gilt bis 2028. Für die Schwerindustrie bedeutet das: Spürbare Wirkung kann es allenfalls im laufenden Jahr geben. Danach läuft die Regelung aus.
Hinzu kommt eine entscheidende Einschränkung. Das zuständige Ministerium musste sich kürzlich korrigieren. Die Subvention greift nicht für Hochöfen oder Walzwerke. Diese sind der energieintensivste Teil der Stahlproduktion. Kokereien und Sinteranlagen können hingegen profitieren.
Für Thyssenkrupp Steel und die Hüttenwerke Krupp Mannesmann in Duisburg ist das eine herbe Enttäuschung. Genau dort, wo die Energiekosten am stärksten drücken, greift die Förderung nicht.
Geringe Ersparnis, hohe Erwartungen
Berechnungen zeigen, wie begrenzt die finanzielle Wirkung ist. Die Ersparnis durch den Industriestrompreis liegt einer Kalkulation zufolge bei rund 45 Millionen Euro pro Jahr. Die Gesamtinvestition in die Energiewende beläuft sich auf rund 8.000 Millionen Euro. Das Verhältnis spricht für sich.
Ausländische Wettbewerber zahlen trotz aller Entlastungen weiterhin deutlich weniger für Strom. Die Lücke zum internationalen Wettbewerb bleibt offen. Deutsche Stahlproduzenten kämpfen gegen günstigere Konkurrenz aus Asien und anderen europäischen Ländern.
NRW steht an der Seite der Stahlbranche
Die Landesregierung in Düsseldorf hat nach dem Stahlgipfel im Herbst 2025 Unterstützung zugesagt. NRW stehe an der Seite seiner Stahlunternehmen, hieß es. Die Unterstützung solle die gesamte Wertschöpfungskette umfassen, von der Produktion bis zum fertigen Produkt.
Politische Bekenntnisse allein lösen das Problem nicht. Die Stahlindustrie braucht günstigere Energiepreise, und das dauerhaft. Der Wegfall von russischem Gas hat die Energiekosten massiv angetrieben. Eine strukturelle Antwort steht bis heute aus.
Symptombekämpfung statt Ursachenlösung
Kritiker sehen im Industriestrompreis einen Kompromiss, der niemanden wirklich zufriedenstellt. Er behandelt das Symptom, nicht die Ursache. Die Ursache sind strukturell zu hohe Energiepreise in Deutschland. Solange die Energiewende Milliarden kostet und diese Kosten auf den Strompreis umgelegt werden, bleibt die Industrie im Nachteil.
Für den Mittelstand in NRW, der als Zulieferer eng mit der Stahlindustrie verflochten ist, sind das keine abstrakten Debatten. Wer Stahlteile verarbeitet, schweißt oder weiterverarbeitet, spürt jede Schwäche der großen Produzenten direkt im Auftragsbuch.
Fazit: Zu wenig, zu spät, zu befristet
Der Industriestrompreis ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch für die Stahlindustrie in NRW kommt er zu spät, greift zu wenig und läuft zu früh aus. Die Branche braucht Planungssicherheit über Jahre, keine Subvention bis 2028. Solange die strukturellen Energiekosten nicht sinken, bleibt der Standort Deutschland für energieintensive Produktion unter Druck. Die Politik hat das Problem erkannt. Gelöst ist es nicht.