Klimahafen Gelsenkirchen: Wüst lobt, doch Zusagen fehlen
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Der Gelsenkirchener Stadthafen wartet auf ein klares Signal aus der Landespolitik. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst besuchte am 28. August 2026 den Standort des Stahlverzinkungsbetriebs ZINQ im Rahmen der Initiative „Klimahafen Gelsenkirchen“. Er lobte das Projekt, machte aber keine konkreten Zusagen für die Industrie.
Energiehunger als Geschäftsmodell
ZINQ ist kein gewöhnlicher Mittelständler. Der Betrieb überzieht Stahlteile mit einer dünnen Schicht Zink, um sie vor Rost zu schützen. Das Verfahren heißt Feuerverzinkung und erfordert enorme Mengen an Energie.
Geschäftsführer Lars Baumgürtel brachte das Ausmaß auf den Punkt: Das Unternehmen verbrauche so viel Energie wie drei Viertel der Bevölkerung von Gelsenkirchen. Die Botschaft an den Ministerpräsidenten war klar: Ohne bezahlbare und klimaneutrale Energie hat die Industrie am Standort keine Zukunft.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt zeichnete ZINQ 2025 als Preisträger aus. Der Betrieb gilt damit als Vorzeigebeispiel für ökologisch orientiertes Wirtschaften in der Industrie.
Initiative mit Gewicht
Die Initiative „Klimahafen Gelsenkirchen“ wird von der Wissenschaftspark Gelsenkirchen GmbH im Auftrag der Stadt koordiniert. Neben vielen Mittelständlern sind Konzerne wie Thyssenkrupp, ArcelorMittal, Trimet, Uniper und BP vertreten.
Das Ziel: Den Stadthafen zu einem klimaneutralen Industriestandort umbauen. Ein zentrales Element ist der Anschluss an eine Wasserstoff-Pipeline, den die Initiative seit Längerem von der Politik fordert.
Das Projekt hat bereits Besuche aus Berlin und Düsseldorf erhalten. Bundesforschungsministerin Karliczek, Wirtschaftsminister Robert Habeck und NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur waren vor Ort. Neubaur nannte das Projekt ein „Vorreiter-Projekt“.
Lob ohne Verbindlichkeit
Wüsts Besuch reiht sich in diese Linie ein. Er zeigte sich informiert und interessiert. Konkrete Zusagen für Fördermittel, Infrastrukturprojekte oder politische Entscheidungen blieben aus. Das ist der Stand vom 28. August 2026.
Für die Unternehmen am Standort ist das ein Problem. Investitionen in klimaneutrale Produktionsverfahren erfordern Planungssicherheit, bevor Betriebe Millionen in neue Anlagen stecken. Ein politisches Signal fehlt weiterhin.
Baumgürtel und die Initiative warten auf ein „Go der Politik“, wie es in Berichten zum Besuch heißt. Der Stadthafen hat die Konzepte, aber keine Verbindlichkeit.
Gelsenkirchen als politischer Brennpunkt
Wüsts Gelsenkirchen-Tour hat auch einen politischen Hintergrund. Bei der Bundestagswahl erzielte die AfD in Gelsenkirchen ein Ergebnis um die 30 Prozent. Die Stadt steht für strukturellen Wandel, hohe Arbeitslosigkeit und industriellen Umbruch.
Wüst besuchte neben ZINQ auch einen Brieftaubenzüchterverein in der Stadt. Politische Beobachter sehen darin bewusste Bürgernähe. Der Besuch beim Klimahafen stand für das Thema industrielle Transformation, der Besuch beim Taubenzüchterverein für Volksnähe.
Beides zusammen ergibt eine Botschaft: Der Ministerpräsident kennt Gelsenkirchen, seine Industrie und seine Menschen.
Der Ball liegt in Düsseldorf
Der Klimahafen Gelsenkirchen funktioniert als Netzwerk. Die Unternehmen ziehen an einem Strang. Was das Projekt bremst, ist das Fehlen politischer Entscheidungen.
Wüsts Besuch war ein Zeichen der Wertschätzung. Für ZINQ-Chef Baumgürtel und die anderen Betriebe zählen aber keine Zeichen, sondern Zusagen. Die Energiewende in der Industrie braucht Infrastruktur, Förderprogramme und Verlässlichkeit. Davon hat Gelsenkirchen nach dem Besuch des Ministerpräsidenten noch nichts Konkretes mehr als zuvor.


