Kölns IHK-Chef Reichardt übernimmt Honorarkonsulat Frankreich
Ulf Reichardt trägt seit März 2020 einen zusätzlichen Titel: Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Köln ist offiziell als Honorarkonsul der Französischen Republik für Köln eingeführt worden. Frankreichs Botschafterin Anne-Marie Descotes nahm die Amtseinführung persönlich vor. Damit übernimmt Reichardt eine Aufgabe mit klarer wirtschaftspolitischer Dimension.
Ein Amt mit Tradition
Das Honorarkonsulat Frankreichs in Köln war seit November 2018 unbesetzt. Damals starb Rechtsanwalt Jacques Laborde, der zuvor das Amt innehatte. Reichardt folgt ihm nach. Die formelle Ernennung durch die französische Seite erfolgte bereits am 4. Oktober 2019. Die öffentliche Amtseinführung fand im März 2020 statt.
Reichardt ist seit 2012 Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Er kennt die Kölner Wirtschaft damit seit Jahren aus erster Hand. Das Honorarkonsulat ist ein Ehrenamt. Es wird ohne festes Gehalt ausgeübt.
Frankreich als Wirtschaftspartner von Gewicht
Frankreich gehört zu den bedeutendsten Handelspartnern Deutschlands. Für nordrhein-westfälische Unternehmen ist der Nachbarstaat ein zentraler Absatzmarkt. Viele Kölner Firmen unterhalten enge Geschäftsbeziehungen nach Paris, Lyon oder Straßburg.
Ein Honorarkonsul übernimmt in diesem Kontext eine Brückenfunktion. Er unterstützt Unternehmen bei Fragen rund um Frankreich. Er fördert den kulturellen Austausch. Und er ist Ansprechpartner für französische Staatsangehörige in der Region Köln.
Reichardt bringt für diese Aufgabe eine klare Ausgangsposition mit. Als IHK-Chef pflegt er bereits institutionelle Kontakte in beide Länder. Das Konsulat ergänzt dieses Netzwerk auf diplomatischer Ebene.
Honorarkonsulate: Kleines Amt mit großer Wirkung
Honorarkonsuln sind keine hauptamtlichen Diplomaten. Sie arbeiten ohne Besoldung durch den entsendenden Staat. Ihr Nutzen liegt in lokaler Vernetzung und pragmatischer Hilfe vor Ort. Gerade für mittelständische Unternehmen mit Frankreich-Geschäft kann das ein echter Vorteil sein.
Nordrhein-Westfalen unterhält ein dichtes Netz solcher konsularischer Vertretungen. Allein in Köln sind mehrere Länder durch Honorarkonsuln vertreten. Die Liste reicht von europäischen Nachbarstaaten bis zu Ländern außerhalb Europas.
Die IHK Köln selbst ist eine der größten Industrie- und Handelskammern in Deutschland. Sie vertritt rund 160.000 Mitgliedsunternehmen in der Region. Dass ihr Hauptgeschäftsführer nun auch konsularische Aufgaben übernimmt, zeigt die enge Verzahnung von Wirtschaft und Außenpolitik auf kommunaler Ebene.
Nachfolge in der IHK-Spitze bereits geregelt
Reichardt selbst schied nach langen Jahren an der IHK-Spitze aus. Am 8. März 2021 bestellte die Vollversammlung der IHK Köln Uwe Vetterlein als neuen Hauptgeschäftsführer. Vetterlein trat sein Amt offiziell am 1. September 2021 an. Zuvor leitete er die IHK Darmstadt.
Wie das Honorarkonsulat nach dem Wechsel an der IHK-Spitze weitergeführt wird, ist aus den vorliegenden Informationen nicht eindeutig zu entnehmen. Das Konsulat ist an die Person gebunden, nicht an das Amt des IHK-Chefs.
Fazit
Die Ernennung Reichardts zum Honorarkonsul Frankreichs in Köln war ein folgerichtiger Schritt. Sie verband wirtschaftliche Kompetenz mit diplomatischer Funktion. Für Kölner Unternehmen mit Frankreich-Bezug bedeutete das eine zusätzliche Anlaufstelle. Ob und wie das Konsulat heute fortgeführt wird, verdient weitere Aufmerksamkeit.