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NRW-Handwerk fordert Wachstumsoffensive: „Kanzler muss das zur Chefsache machen“

Stell dir eine Wirtschaftsbranche mit über 200.000 Betrieben und 1,1 Millionen Beschäftigten vor. Diese Zahlen beschreiben das nordrhein-westfälische Handwerk, einen gigantischen Wirtschaftsmotor.

Doch seit dem Herbst 2023 steht dieser Motor still. Das Geschäftsklima stagniert, ohne erkennbare Dynamik. Trotz großer Ankündigungen der Bundesregierung über 500 Milliarden Euro für Infrastrukturmodernisierung spüren die Betriebe davon kaum etwas.

Am 9. Januar 2026 zog Andreas Ehlert, der Präsident von HANDWERK.NRW, bei der Jahrespressekonferenz in Düsseldorf eine ernüchternde Bilanz. Die konjunkturelle Lage bleibt angespannt.

Ehlert fordert deshalb einen grundlegenden Kurswechsel. Die Wirtschaftspolitik muss oberste Priorität in Berlin erhalten, damit aus Ankündigungen endlich konkrete Taten werden. Die Entwicklung der gesamten Branche hängt davon ab.

Kernaussagen

  • Das Handwerk in Nordrhein-Westfalen ist mit 200.000 Betrieben und 1,1 Millionen Beschäftigten ein riesiger Wirtschaftsfaktor.
  • Seit Herbst 2023 gibt es keine positive Entwicklung, das Geschäftsklima stagniert.
  • Obwohl die Bundesregierung riesige Investitionen plant, kommen diese nicht bei den Betrieben an.
  • Präsident Andreas Ehlert verlangt, dass der Bundeskanzler die Wirtschaftspolitik zur obersten Priorität macht.
  • Die Forderung nach einer Wachstumsoffensive wurde auf der Jahrespressekonferenz am 9. Januar 2026 öffentlich gestellt.
  • Bisherige Maßnahmen reichen nicht aus, um die angespannte Lage zu verbessern.
  • Ein schneller und spürbarer Politikwechsel ist für die Zukunft des Handwerks entscheidend.

Aktuelle Lage und wirtschaftliche Herausforderungen im NRW-Handwerk

Nominale Umsatzzuwächse täuschen über die reale Stagnation im Handwerk hinweg. Für 2026 wird zwar ein leichter nominaler Anstieg erwartet. Preisbereinigt steht die Branche aber vor einem Nullwachstum oder sogar einem Minus.

Konjunktur und rückläufige Auftragslage

Die Auftragsbücher leeren sich spürbar. Im Herbst 2023 reichten die Aufträge im Schnitt noch 9,5 Wochen. Bis zum Herbst 2025 sank diese Reichweite auf nur noch 7,9 Wochen.

Besonders betroffen sind bestimmte Gewerke. Bei Installateuren und Heizungsbauern ging die Reichweite von 12,8 auf 8,6 Wochen zurück. Elektrotechniker verzeichneten einen Rückgang um 4,2 Wochen.

Das verhaltene Klima bei Konsum und Investitionen belastet die Betriebe. Sowohl Privatleute als auch gewerbliche Kunden halten sich zurück. Dies verschärft die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen.

Beschäftigungsrückgang und Nachfolgesicherung

Die Beschäftigung wird 2026 um etwa 1,5 Prozent sinken. In den Vorjahren lag das Minus nur bei 0,5 Prozent. Demografie und die schwierige Konjunktur beschleunigen diesen Trend.

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Ein großes Problem ist die Nachfolge. Täglich schließt irgendwo ein Handwerksbetrieb, weil der Meister keinen Nachfolger findet. Bäckereien, Fleischereien und Malerbetriebe sind stark betroffen.

Die Insolvenzquote im Handwerk ist höher als früher. Neben freiwilligen Schließungen nehmen auch wirtschaftliche Zwangslagen zu. Die versprochenen staatlichen Investitionen kommen bei den Betrieben nicht an.

NRW-Handwerk fordert Wachstumsoffensive: „Kanzler muss das zur Chefsache machen“

Die Kluft zwischen Ankündigungen und tatsächlicher Umsetzung wird für Handwerksbetriebe immer größer. Der Präsident des Verbands, Andreas Ehlert, sieht dringenden Handlungsbedarf.

Kritik an bisherigen staatlichen Maßnahmen

Ehlert stimmte zwar der Grundaussage des Kanzlers zu, dass das Fundament des Wohlstands erneuert werden muss. Von den großen Plänen der Bundesregierung ist aber kaum etwas Konkretes bei den Betrieben angekommen.

Beim Bürokratieabbau fehlt jede Konsequenz. Die versprochene Abschaffung der Bonpflicht wurde nicht umgesetzt. Auch das Sonntagsbackverbot für Bäcker besteht weiter.

Aus der angekündigten Stromsteuersenkung für alle wurde am Ende ein Industriestrompreis für wenige Großfirmen. Das Handwerk ging leer aus. Die Kosten tragen alle Steuerzahler.

Ehlert sagte dazu: „Einzelsubventionen und Autogipfel reichen nicht aus.“

Impulsgeber für wirtschaftliche Neuerungen

Statt kleiner Schritte braucht es eine grundsätzliche Agenda für Wachstum. Der Mittelstand muss ins Zentrum der Wirtschaftspolitik rücken.

Eine zentrale Baustelle sind die Sozialsysteme. Die Lohnnebenkosten drohen aus dem Ruder zu laufen. Das belastet Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen.

Der Verbandspräsident fordert einen großen Wurf. Dazu gehören unbequeme Entscheidungen. Die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen muss neu geregelt werden.

Ehlerts klares Ziel ist die Rückkehr zur 40-Prozent-Grenze bei Sozialabgaben. Eine Haltelinie im Grundgesetz könnte dies sichern.

Angekündigte Maßnahme Versprochenes Ergebnis Tatsächliche Situation für Handwerksbetriebe
Bürokratieabbau Abschaffung Bonpflicht, Aufhebung Sonntagsbackverbot Keine Umsetzung, Regelungen bestehen fort
Stromsteuersenkung Entlastung für alle Betriebe Nur Industriestrompreis für Großunternehmen, Handwerk geht leer aus
Wachstumsagenda Mittelstand im Zentrum Bisher keine grundlegende Neuausrichtung

Die Entwicklung der nächsten Monate wird zeigen, ob aus Worten Taten folgen. Ein echter Kurswechsel ist überfällig.

Initiativen zum Bürokratieabbau und staatlicher Modernisierung

Die Forderung nach einem eigenen Ministerium für Staatsmodernisierung ist eine konkrete Antwort auf das Bürokratiechaos. Beim Dreikönigs-Treffen beschrieb Verbandspräsident Andreas Ehlert die ernüchternde Erfahrung.

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„Wenn man dem Bürokratiekraken einen Fangarm abschlägt, wachsen an anderer Stelle drei neue nach“, so Ehlert. Deshalb muss grundsätzlicher gedacht werden.

Staatsmodernisierung und klare Zuständigkeiten

Das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates schwindet. Eine sichtbare politische Klammer soll Abhilfe schaffen.

Die Idee ist ein eigenes Ministerium in Nordrhein-Westfalen. Es soll alle Fragen der Staatsmodernisierung bündeln und klare Verantwortung schaffen.

Gastredner Justus Haucap forderte mehr Mut zu Reformen. Er unterstützte damit die Forderungen des Handwerks.

Reaktionen der Politik auf handwerkliche Anliegen

Auf Landesebene sieht das Handwerk großen Handlungsbedarf. Das geplante Tarifentgeltsicherungsgesetz schafft neue Bürokratie.

Es schwächt die Tarifparteien und schreckt Betriebe von öffentlichen Aufträgen ab. Das ist kontraproduktiv.

Bei der Grundsteuer bestätigte ein Gerichtsurteil die Kritik. Gesplittete Hebesätze für Wohn- und Gewerbegrundstücke sind problematisch.

Ein einfaches Flächenmodell wäre transparenter und besser. Die Reform sollte neu angegangen werden.

Kommunale Verpackungssteuern lehnt das Handwerk klar ab. Sie erzeugen enorme Bürokratie mit überflüssigen Detailregelungen.

Vor allem mittelständische Unternehmen der Gastronomie und des Lebensmittelhandwerks werden getroffen. Diese Steuern sollten verboten werden.

Ein absurdes Beispiel ist die Sonntagsregelung für Bäcker. Handwerksbäckereien dürfen nur drei Stunden backen.

Tankstellen dürfen den ganzen Tag Brötchen aufbacken und verkaufen. Das ist eine klare Benachteiligung des handwerklichen Bäckers.

Regelung / Gesetz Problematik für Handwerksbetriebe Geforderte Lösung
Tarifentgeltsicherungsgesetz (geplant) Schafft neue Bürokratie, schwächt Tarifparteien, schreckt von öffentlichen Aufträgen ab Überarbeitung oder Stopp des Gesetzes
Grundsteuer mit gesplitteten Hebesätzen Intransparent, ungerecht für Gewerbeflächen, gerichtlich kritisiert Einführung eines transparenten Flächenmodells
Kommunale Verpackungssteuern Enormer bürokratischer Aufwand, trifft mittelständische Unternehmen hart Grundsätzliches Verbot für Kommunen
Sonntagsbackverbot für Bäcker Wettbewerbsnachteil gegenüber Tankstellen, Einschränkung der Verkaufschancen Angleichung der Regelungen, Lockerung der Vorschriften

Beim Bürokratieabbau fehlt am Ende die Konsequenz. Nur ein grundsätzlicher Wandel bringt spürbare Erleichterung für die Unternehmen.

Blick in die Zukunft: Chancen und Perspektiven im Handwerk

Für junge Menschen bietet eine handwerkliche Ausbildung sichere Perspektiven. Präsident Ehlert betont Zuversicht für das kommende Jahr. Die Baukonjunktur zeigt erste Signale für eine Trendwende.

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Die Ausbildungszahlen im Handwerk bleiben stabil. Im Baugewerbe verzeichnen wir sogar spürbare Zuwächse. Das stärkt die Fachkräftebasis langfristig.

Praktische Tätigkeiten sind durch KI nicht zu ersetzen. Kein Algorithmus montiert eine Wärmepumpe oder deckt ein Dach. Handwerkliche Arbeit bleibt also unverzichtbar.

Ehlert richtet eine klare Botschaft an die Jugend: Kommt ins Handwerk. Macht eine Ausbildung oder den Meister. Werdet Unternehmerinnen und Unternehmer. Dieser Bereich ist krisensicher und zukunftsfest.

Trotz eines erwarteten Beschäftigungsrückgangs von 1,5 Prozent bleibt das Handwerk ein stabiler Pfeiler. Mit über einer Million Beschäftigten in NRW bietet es echte Chancen. Die Betriebe benötigen jedoch eine solide Auftragsreichweite für Planungssicherheit.

FAQ

Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Lage in den Betrieben des Handwerks in Nordrhein-Westfalen?

Viele Unternehmen sehen sich mit einer rückläufigen Auftragslage konfrontiert. Die Konjunktur hat sich abgekühlt, was zu großer Unsicherheit führt. Einige Betriebe kämpfen mit sinkenden Umsätzen und müssen ihre Beschäftigungszahlen anpassen.

Welche konkreten Forderungen stellt das Handwerk an die Bundesregierung?

Die Spitzenverbände fordern eine klare Wachstumsoffensive. Sie wünschen sich, dass der Bundeskanzler diese Wirtschaftspolitik zur persönlichen Priorität macht. Zentrale Punkte sind ein massiver Bürokratieabbau und gezielte Investitionen, um die Entwicklung zu stabilisieren.

Warum wird eine Modernisierung des Staates gefordert?

Viele Unternehmer beklagen übermäßige Bürokratie, die Zeit und Ressourcen bindet. Eine Staatsmodernisierung mit klaren digitalen Prozessen und eindeutigen Zuständigkeiten soll Entlastung schaffen. Dies würde den Betrieben helfen, sich besser auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren.

Gibt es positive Signale aus der Politik für das Gewerbe?

Ja, es gab bereits Gespräche mit Vertretern der Bundesregierung. Der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) bringen ihre Anliegen aktiv ein. Die Reaktionen werden aufmerksam verfolgt, nun werden konkrete Taten erwartet.

Welche Perspektiven sehen die Betriebe für die kommenden Monate?

Die Aussichten für den Herbst sind verhalten. Die Branche hofft auf Impulse durch eine entschlossene Politik, um die Beschäftigung zu sichern und Investitionen anzukurbeln. Langfristig bietet das Handwerk trotz der aktuellen Herausforderungen stabile Zukunftschancen.

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