NRW-IHKs: 400 Sachverständige diskutieren KI und Nachwuchs
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Über 400 Sachverständige, Juristen und Wirtschaftsvertreter kamen beim ersten Sachverständigentag NRW zusammen. Die nordrhein-westfälischen Industrie- und Handelskammern hatten die Veranstaltung gemeinsam organisiert. Ziel war es, den Austausch zwischen Justiz, Wirtschaft und Sachverständigenwesen zu stärken.
Erster landesweiter Sachverständigentag in NRW
Bislang fanden solche Formate vor allem regional oder branchenspezifisch statt. Der erste landesweite Sachverständigentag war ein anderes Format. Die IHKs in NRW bündelten damit ihre Kräfte. Justizminister Dr. Benjamin Limbach sprach ein Grußwort.
Allein auf die IHK Düsseldorf entfielen im Jahr 2025 insgesamt 953 IHK-Benennungen von Sachverständigen. Sachverständige werden bei Gerichtsverfahren, Schadensbeurteilungen und technischen Streitfragen eingesetzt.
Drei Themen bestimmten die Agenda
Künstliche Intelligenz in der Gutachterpraxis
KI verändert die Arbeit von Sachverständigen grundlegend. Welche Tools sind zulässig? Wo liegen die Grenzen? Diese Fragen standen auf dem Programm. Eine klare Antwort gibt es noch nicht. Die Branche braucht verlässliche Leitlinien.
Qualität und Berufsrecht
Rechtsanwältin Katharina Bleutge vom Institut für Sachverständigenwesen referierte über Berufsrecht und Haftungsfragen. Gutachter haften persönlich für ihre Einschätzungen. Die öffentliche Bestellung durch eine IHK schützt nicht vor Haftungsrisiken, gilt aber als Qualitätssignal.
Frank Walter, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Hamm, erläuterte die Erwartungen der Justiz. Gerichte wünschen sich präzise, verständliche und neutrale Gutachten. Sachverständige sollen Fachleute sein, keine Anwälte einer Partei.
Nachwuchs: Strukturelles Problem ohne schnelle Lösung
Der Nachwuchsmangel bei Sachverständigen ist ein strukturelles Problem. Viele erfahrene Gutachter scheiden aus dem Berufsleben aus, neue kommen nicht in gleichem Maß nach. Bernd Falge erläuterte den Weg zur öffentlichen Bestellung. Die hohen Anforderungen schrecken potenzielle Bewerber ab.
Die IHKs arbeiten daran, den Zugang zum Bestellungsverfahren transparenter zu machen. Klare Informationen und gezielte Ansprache sollen helfen, geeignete Kandidaten zu gewinnen.
Bedeutung für den Mittelstand in NRW
Für Unternehmen in NRW hat die Qualität des Sachverständigenwesens direkte Folgen. Bei Baumängeln, Versicherungsstreitigkeiten oder Maschinenschäden entscheiden Gutachten oft über Entschädigungen in Millionenhöhe. Große Konzerne haben eigene Rechtsabteilungen. Kleine und mittlere Betriebe sind auf externe Sachverständige angewiesen.
Vernetzung als Ziel
Die Veranstaltung war kostenlos zugänglich. Neben den Fachvorträgen stand die Vernetzung im Mittelpunkt. Sachverständige aus verschiedenen Branchen kamen ins Gespräch, Juristen und Wirtschaftsvertreter tauschten sich aus.
Die IHKs in NRW haben signalisiert, den Dialog fortsetzen zu wollen.



