
NRW-Industrie verliert 3000 Jobs pro Monat
Nordrhein-Westfalen steht wirtschaftlich unter Druck. Die NRW-Industrie verliert nach Angaben von Unternehmerpräsident Arndt G. Kirchhoff derzeit rund 3000 Arbeitsplätze pro Monat. Der Verband Unternehmer NRW hat das kurz vor der Landtagswahl öffentlich gemacht und fordert konsequentes Handeln von der Politik.
Strukturelle Erosion statt konjunktureller Delle
Kirchhoff spricht nicht von einer vorübergehenden Schwächephase, sondern von einer strukturellen Erosion der Volkswirtschaft. Das ist ein deutlich härteres Urteil: Die Probleme sind tief verwurzelt und lassen sich nicht durch ein gutes Quartal wegdiskutieren.
Seit 2018 hat die NRW-Wirtschaft kontinuierlich an Stärke verloren. Die Industrie schrumpft, neue Jobs entstehen kaum noch. Das RWI und die IHK NRW bestätigen dieses Bild in aktuellen Prognosen und Umfragen.
IHK-NRW-Präsident Ralf Stoffels warnte bereits Anfang des Jahres vor einer düsteren Konjunkturlage. Dazu kommt die Unsicherheit rund um die Energiewende. Viele Unternehmen wissen nicht, wie sich die Energiekosten mittelfristig entwickeln. Das hemmt Investitionen.
Wirtschaft macht Druck vor der Wahl
Die Landtagswahl in NRW findet im April 2026 statt. Der Wahlkampf beginnt jetzt. Der Zeitpunkt des Alarmrufs der Wirtschaft ist kein Zufall. Die Unternehmerverbände wollen das Thema Wettbewerbsfähigkeit ganz oben auf die politische Agenda setzen.
Der Verband Unternehmer NRW hat dazu ein Gutachten zur Lage und zu den Perspektiven des Wirtschafts- und Industriestandorts NRW vorgelegt. Das Fazit lautet: nicht gut, aber auch nicht hoffnungslos. Die Bedingungen könnten sich verbessern, wenn die Politik die richtigen Weichen stellt.
Kirchhoff kritisierte dabei auch die bisherige Bundesregierung für mangelnde Reformfähigkeit. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht nun vor der Aufgabe, wirtschaftliche Impulse zu setzen. Das gilt auch für NRW.
CDU in der Pflicht, SPD auf Aufholjagd
Eine Infratest-dimap-Umfrage sieht die CDU von Ministerpräsident Hendrik Wüst bei 32 Prozent, drei Punkte weniger als zuletzt. Die AfD kommt erstmals auf 17 Prozent in NRW.
Die SPD schickt Fraktionschef Jochen Ott als Spitzenkandidaten ins Rennen. Die Partei muss deutlich aufholen. Rund 43 Prozent der Wähler misstrauen laut Umfragen den etablierten Parteien. Wirtschaftliche Sorgen spielen dabei eine große Rolle.
Die CDU bereitet sich mit einem Landesparteitag in Düsseldorf auf den Wahlkampf vor. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz tritt dort auf. Wirtschaftspolitik dürfte ein Schwerpunkt sein.
Was der Mittelstand erwartet
Für Mittelständler und Handwerksbetriebe in NRW geht es um konkrete Fragen: Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel. Das sind die Themen, die Unternehmer täglich beschäftigen.
Der Jobabbau in der Großindustrie wirkt sich auf die gesamte Lieferkette aus. Zulieferer, Dienstleister und Handwerksbetriebe spüren den Rückgang direkt. 3000 fehlende Industriejobs pro Monat bedeuten auch weniger Aufträge für den Mittelstand.
Die Forderung der Wirtschaftsverbände ist klar: steuerliche Entlastung, verlässliche Energiepreise und weniger Bürokratie.
Fazit
NRW steckt in einer ernsthaften wirtschaftlichen Krise. Der Jobabbau in der Industrie ist kein kurzfristiges Phänomen. Die Wirtschaftsverbände haben das Thema mit Nachdruck in den Wahlkampf getragen. Für den Mittelstand steht viel auf dem Spiel. Die Parteien müssen nun zeigen, welche konkreten Antworten sie haben.



