NRW: Schlusslicht beim Wachstum – was jetzt getan werden muss
Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Doch beim Wirtschaftswachstum steht es schlecht da. Laut Berechnungen des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung legt die Wirtschaftsleistung des Landes im Jahr 2025 um gerade einmal 0,1 Prozent zu. Konjunkturforscher sehen NRW als Schlusslicht aller 16 Bundesländer.
Wachstum unter dem Bundesdurchschnitt
NRW kommt beim Wachstum nicht vom Fleck. Das Land blieb zuletzt mit einem Plus von 1,8 Prozent hinter dem bundesweiten Schnitt von 1,9 Prozent zurück. Das klingt nach wenig Unterschied. Für eine Volkswirtschaft der Größe NRWs bedeutet das aber erhebliche Einbußen.
Der Freistaat Bayern oder die Stadtstaaten Hamburg und Berlin verzeichnen stärkere Zuwächse. NRW dagegen kämpft mit strukturellen Problemen. Dazu zählen marode Verkehrsinfrastruktur, ein stockender Ausbau digitaler Netze und ein Ruf als Stauland Nummer eins in Deutschland.
Für den Mittelstand sind das direkte Kostentreiber. Verspätete Lieferungen, überlastete Logistikrouten und fehlende Breitbandanbindungen bremsen Betriebe im Tagesgeschäft.
Infrastruktur: Der Engpass im Westen
Experten sind sich einig: Ohne eine Infrastrukturoffensive bleibt NRW zurück. Verkehrsnetze und Verkehrsträger müssen ausgebaut werden. Das gilt für Straße und Schiene gleichermaßen.
Besonders die digitale Infrastruktur gilt als Schwachstelle. Viele Gewerbegebiete in ländlichen Kreisen verfügen noch immer nicht über schnelle Glasfaseranschlüsse. Kleine und mittlere Unternehmen sind auf stabile Verbindungen angewiesen. Ohne sie können sie weder Industrie-4.0-Lösungen einsetzen noch im Fernabsatz konkurrieren.
Digitalisierung als Wachstumshebel
Das Beratungsunternehmen Prognos hat errechnet, dass Industrie 4.0 in den Kernbranchen NRWs bis zu 15,6 Milliarden Euro an zusätzlicher Bruttowertschöpfung erzeugen kann. Voraussetzung ist eine konsequente Umsetzung in den Betrieben.
Gerade im Maschinenbau, in der Metallverarbeitung und im Fahrzeugbau hat NRW eine starke Basis. Diese Branchen können von digitalen Produktionsprozessen direkt profitieren. Viele Betriebe haben den Wandel jedoch noch nicht vollzogen. Fachkräftemangel und Investitionskosten bremsen den Fortschritt.
Förderung für den Mittelstand
Die NRW.Bank bietet Unternehmen zinsgünstige Darlehen über ihr Programm Gründung und Wachstum an. Pro Vorhaben sind bis zu zehn Millionen Euro möglich. Das Geld kann für Investitionen in Maschinen, Gebäude oder Betriebsmittel eingesetzt werden.
Die Landesregierung hat zudem einen Nordrhein-Westfalen-Fonds aufgelegt. Mit einem Eigenkapitalanteil von 100 Millionen Euro soll er Unternehmen in Wachstumsphasen stützen. Für viele mittelständische Betriebe ist der Zugang zu Kapital eine zentrale Frage.
Kreislaufwirtschaft als neues Geschäftsfeld
Wuppertal hat sich als Standort für Circular Economy einen Namen gemacht. Unternehmen, die auf Kreislaufwirtschaft setzen, können Materialkosten senken und neue Märkte erschließen. Das zeigt: Wachstum muss nicht immer über klassische Investitionspfade laufen.
Für den Mittelstand in NRW bieten Nachhaltigkeitsstrategien konkrete wirtschaftliche Vorteile. Ressourceneffizienz senkt Kosten. Neue Geschäftsmodelle entstehen rund um Reparatur, Wiederverwendung und Rohstoffrückgewinnung.
Was die Politik jetzt liefern muss
Die Diagnose ist klar. NRW verliert im Ländervergleich an Boden. Die Lösungsansätze sind bekannt. Es fehlt an konsequenter Umsetzung.
Schnellere Genehmigungsverfahren für Gewerbeflächen und Bauvorhaben sind ein Punkt. Bürokratieabbau für kleine Betriebe ein weiterer. Dazu braucht es eine verlässliche Förderpolitik, die Planungssicherheit gibt.
Der Mittelstand in NRW ist leistungsfähig. Er stellt die Mehrheit der Arbeitsplätze im Land. Doch er braucht Rahmenbedingungen, die Investitionen lohnenswert machen. Solange Staus, Funklöcher und Behördengänge den Alltag bestimmen, bleibt das Potenzial ungenutzt.
Fazit
NRW hat die Substanz, um beim Wachstum aufzuholen. Infrastruktur, Digitalisierung und gezielte Unternehmensförderung sind die entscheidenden Hebel. Die Zeit für halbherzige Maßnahmen ist vorbei. Wer den Mittelstand stärken will, muss liefern.