Nur jeder zehnte Mittelständler setzt auf ausländische Fachkräfte
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Der deutsche Mittelstand kämpft seit Jahren mit Fachkräftemangel. Die naheliegende Lösung, Arbeitskräfte aus dem Ausland zu gewinnen, nutzen aber nur wenige Betriebe. Das zeigt eine aktuelle Studie der KfW-Bankengruppe.
Kleine Betriebe bleiben außen vor
Gut jedes zehnte mittelständische Unternehmen in Deutschland beschäftigt ausländische Fachkräfte. Der genaue Anteil liegt laut KfW-Studie bei 11,5 Prozent. Rund neun von zehn Mittelständlern verzichten damit bislang auf internationales Personal.
Besonders auffällig ist der Unterschied nach Unternehmensgröße. Große Mittelständler mit 50 und mehr Beschäftigten rekrutieren deutlich öfter im Ausland. Kleine Betriebe halten sich dagegen stark zurück. Je kleiner das Unternehmen, desto geringer die Bereitschaft zur internationalen Personalsuche.
Das ist für NRW besonders relevant. Der Mittelstand in Nordrhein-Westfalen ist stark kleinteilig geprägt. Handwerksbetriebe, Familienunternehmen und kleine Dienstleister dominieren die Unternehmensstruktur. Genau diese Gruppen schöpfen das Potenzial ausländischer Fachkräfte kaum aus.
Warum viele Betriebe zögern
Hinter der Zurückhaltung stecken mehrere konkrete Hürden. Bürokratische Anforderungen stehen dabei an erster Stelle. Wer Fachkräfte aus Drittstaaten außerhalb der EU einstellen will, braucht in den meisten Fällen eine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Das Verfahren gilt als aufwendig und zeitintensiv.
Lange Wartezeiten bei den Visastellen der deutschen Botschaften kommen hinzu. Unternehmen berichten, dass Bewerber monatelang auf Termine warten. Für Betriebe, die schnell Personal brauchen, ist das kaum tragbar.
Sprachbarrieren sind ein weiteres Problem. Viele kleine Unternehmen arbeiten ausschließlich auf Deutsch. Wer keine englischsprachigen Strukturen hat, tut sich schwer, internationale Mitarbeiter einzubinden. Das betrifft besonders das Handwerk und produktionsnahe Betriebe.
Kleine Firmen haben selten eine eigene Personalabteilung. Die Geschäftsführung trägt die Rekrutierung allein. Komplexe Auslandsverfahren übersteigen dann schnell die Kapazitäten.
Deutschland kein leichtes Ziel für internationale Fachkräfte
Erschwerend kommt hinzu: Deutschland schneidet im Vergleich zu anderen großen Industriestaaten bei der Attraktivität für ausländische Fachkräfte nur mittelmäßig ab. Neben langen Visawartezeiten nennen internationale Fachkräfte Sprachbarrieren und Alltagshürden als Gründe für ihre Zurückhaltung.
Die Rahmenbedingungen können Unternehmen nicht allein verändern. Sie sind auf politische und behördliche Reformen angewiesen. Die Bundesagentur für Arbeit hat zwar Anstrengungen unternommen, das Anwerbeverfahren zu vereinfachen. Der Effekt ist bisher begrenzt.
Handlungsbedarf bleibt hoch
Der Fachkräftemangel trifft den Mittelstand hart. Viele Betriebe in NRW melden offene Stellen, die sie seit Monaten nicht besetzen können. Das bremst Wachstum und Auftragsabwicklung.
Gleichzeitig zeigt die KfW-Studie, dass ein Umdenken möglich ist. 61 Prozent der mittelständischen Unternehmen, die ausländische Fachkräfte beschäftigen, berichten von positiven Erfahrungen.
Für kleine Betriebe fehlt es oft an Orientierung. Wo beantrage ich welche Genehmigung? Wie finde ich geeignete Kandidaten im Ausland? Welche Förderangebote gibt es? Diese Fragen bleiben für viele Unternehmer ohne klare Antwort.
Fazit
Die KfW-Studie legt offen, wie groß die Lücke zwischen Bedarf und Handeln im deutschen Mittelstand ist. Ausländische Fachkräfte könnten helfen, den Personalmangel zu lindern. Bürokratische Hürden, knappe Ressourcen und fehlende Beratung bremsen viele Betriebe aus. Ohne Vereinfachungen bei Visa und Anerkennungsverfahren wird sich daran wenig ändern.



