Ohne Einwanderer läuft im Handwerk nichts mehr
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Mehr als die Hälfte aller Köchinnen und Köche in Deutschland hat eine Einwanderungsgeschichte. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat diesen Wert mit 56 Prozent beziffert. Die Zahl steht stellvertretend für eine breitere Entwicklung: In Berufen, in denen Fachkräfte fehlen, sind Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich stark vertreten.
Engpassberufe auf Einwanderer angewiesen
Das Statistische Bundesamt erfasst sogenannte Engpassberufe gesondert. Das sind Berufe, in denen offene Stellen dauerhaft schwer zu besetzen sind, darunter Pflege, Gastronomie und Baugewerbe. In all diesen Bereichen liegt der Anteil von Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte über dem Durchschnitt.
Für das Handwerk in Nordrhein-Westfalen ist das keine abstrakte Statistik. Bauunternehmen, Maler- und Stuckateurbetriebe sowie Dachdeckerfirmen berichten seit Jahren, dass sie ohne Mitarbeiter aus dem Ausland Aufträge nicht abarbeiten könnten. Die Zuwanderung federt den Fachkräftemangel ab.
Bau und Gastronomie besonders betroffen
Am Bau arbeiten viele Menschen aus Südosteuropa und dem Nahen Osten. Auch syrische Staatsangehörige haben sich in den vergangenen Jahren in handwerklichen Berufen etabliert. Eine Studie wies zuletzt darauf hin, dass die Rückkehr syrischer Fachkräfte in ihr Herkunftsland zu erheblichen Versorgungsengpässen führen würde. Rund 5.300 syrische Ärzte waren demnach zuletzt in Deutschland angestellt.
In der Gastronomie ist die Lage ähnlich. Küchenpersonal, Service und Logistik sind Bereiche, in denen Betriebe ohne Zuwanderer kaum handlungsfähig wären. Das gilt besonders für Nordrhein-Westfalen mit seinen großen Städten und einer dichten Gastronomie.
Politische Debatte verunsichert Betriebe
Die politische Diskussion über Einwanderung und Abschiebungen hat in den vergangenen Monaten viele Betriebe verunsichert. Unternehmer berichten, dass qualifizierte ausländische Mitarbeiter das Land verlassen oder sich nach Alternativen umschauen. Für kleine Handwerksbetriebe kann der Verlust einzelner Fachkräfte existenzbedrohend sein.
Handwerkskammern in NRW fordern klare rechtliche Rahmenbedingungen. Betriebe brauchen Planungssicherheit. Wer einen Mitarbeiter ausbildet und beschäftigt, muss wissen, dass dieser langfristig bleiben kann.
Integration gelingt über den Betrieb
Viele Handwerksbetriebe in NRW haben eigene Erfahrungen mit der Integration gemacht. Wer einen Ausbildungsplatz oder eine Festanstellung bekommt, integriert sich. Arbeit ist der direkteste Weg in die Gesellschaft.
Betriebe berichten von guten Erfahrungen mit Auszubildenden aus Marokko, Ghana oder Syrien. Sprachkurse, Berufsschule und der Alltag im Betrieb schaffen Struktur. Das funktioniert in der Praxis oft besser als in der politischen Debatte angenommen.
Handwerk braucht verlässliche Zuwanderungspolitik
Die Daten des Statistischen Bundesamtes sind eindeutig. Menschen mit Einwanderungsgeschichte sichern die Funktionsfähigkeit ganzer Branchen, im Handwerk in Nordrhein-Westfalen besonders ausgeprägt. Betriebe brauchen verlässliche Regeln, schnelle Anerkennungsverfahren und langfristige Aufenthaltstitel für qualifizierte Fachkräfte.



