RAG-Stiftung kontert Rechnungshof: Anlagestrategie vertretbar
Die RAG-Stiftung mit Sitz in Essen steht unter Druck. Rechnungshöfe werfen der vermögensstärksten Privatstiftung Deutschlands eine zu riskante Anlagestrategie vor. Stiftungschef Bernd Tönjes weist diese Vorwürfe zurück. Die Stiftung sieht ihre Finanzierungsfähigkeit nicht gefährdet.
Ewigkeitskosten als Kernauftrag
Die RAG-Stiftung wurde 2007 gegründet. Ihr Auftrag ist klar definiert: Sie soll die sogenannten Ewigkeitskosten des deutschen Steinkohlenbergbaus dauerhaft finanzieren. Dazu zählen vor allem die Grubenwasserhaltung und der Schutz vor Bodenhebungen im Ruhrgebiet. Diese Aufgaben enden nicht mit dem letzten Bergmann. Sie laufen auf unbestimmte Zeit weiter.
Im vergangenen Jahr wendete die Stiftung mehr als 309 Millionen Euro für diese Zwecke auf. Gleichzeitig konnte sie 110 Millionen Euro zurücklegen. Das Stiftungsvermögen ist dennoch gesunken. Dieser Rückgang liefert den Rechnungsprüfern Anlass zur Kritik.
Rechnungshöfe mahnen, Stiftung widerspricht
Die Rechnungshöfe von Bund und Ländern haben die Anlagestrategie der RAG-Stiftung unter die Lupe genommen. Ihr Vorwurf: Die Stiftung gehe mit ihrer Kapitalanlage zu hohe Risiken ein. Damit gefährde sie langfristig ihren eigenen Stiftungszweck.
Stiftungschef Tönjes hält dagegen. Er sieht die Anlagepolitik als vertretbar an. Die Stiftung erzielt 2025 nach eigenen Angaben Gewinne. Die Finanzierung der Ewigkeitskosten sei gesichert. Tönjes betonte, die Stiftung habe ihren Kurs sorgfältig abgewogen.
Die Auseinandersetzung ist keine rein buchhalterische Debatte. Sie berührt eine zentrale Frage: Wie sicher ist die Finanzierung einer Aufgabe, die Jahrzehnte oder länger andauern wird?
Evonik als wichtiger Vermögensbaustein
Die RAG-Stiftung hält eine bedeutende Beteiligung am Chemiekonzern Evonik Industries. Evonik hat seinen Hauptsitz in Essen. Die Beteiligung gehört zu den wichtigsten Vermögenswerten der Stiftung. Schwankungen beim Evonik-Kurs wirken sich direkt auf das Stiftungsvermögen aus.
Genau darin sehen Kritiker ein Klumpenrisiko. Wer stark auf einen einzelnen Konzern setzt, macht sich von dessen Geschäftsentwicklung abhängig. Evonik selbst befindet sich in einem Umbau. Das Unternehmen trennt sich von Randaktivitäten und konzentriert sich auf Spezialchemie.
Breite Aufstellung als Gegenargument
Die RAG-Stiftung argumentiert, ihr Portfolio sei breiter aufgestellt als von außen wahrgenommen. Neben der Evonik-Beteiligung investiert sie in verschiedene Anlageklassen. Dazu gehören Infrastruktur, Immobilien und andere Beteiligungen. Die Stiftung sieht sich damit gegen Marktschwankungen ausreichend abgesichert.
Strukturelle Herausforderung bleibt bestehen
Der Streit zwischen Stiftung und Rechnungsprüfern zeigt eine grundlegende Spannung. Einerseits muss die Stiftung ihr Vermögen renditestark anlegen. Nur so kann sie die laufenden Kosten dauerhaft bestreiten. Andererseits erfordert eine so langfristige Verpflichtung besondere Vorsicht beim Risikomanagement.
Die Grubenwasserhaltung allein kostet jährlich dreistellige Millionenbeträge. Dieser Kostenblock wird nicht kleiner. Im Gegenteil: Experten rechnen mit stabilen oder steigenden Aufwendungen für die nächsten Jahrzehnte.
Das Ruhrgebiet und das Saarland tragen die Hauptlast dieser Bergbaufolgen. Für die betroffenen Kommunen und Unternehmen in NRW ist die finanzielle Stabilität der RAG-Stiftung keine abstrakte Frage. Sie hat direkte Auswirkungen auf Bodenschutz, Wasserhaushalt und Infrastruktur in der Region.
Fazit
Die RAG-Stiftung steht vor einer Aufgabe ohne Ablaufdatum. Sie muss Milliarden verwalten und gleichzeitig Millionen ausgeben. Ob ihre Anlagestrategie dabei das richtige Gleichgewicht trifft, bleibt umstritten. Die Kritik der Rechnungshöfe ist ernst zu nehmen. Die Stiftung hat bisher geliefert. Ob das dauerhaft gelingt, wird die Zeit zeigen.



