Energie

Ruhrgebiet setzt auf Halden und Gewässer für Solarstrom

Das Ruhrgebiet will seine Industriegeschichte für die Energiezukunft nutzen. Aufgegebene Halden und Wasserflächen rücken als Standorte für Solaranlagen in den Fokus. Die Idee: Flächen, die ohnehin nicht landwirtschaftlich genutzt werden, sollen Strom erzeugen.

Halden als Chance: Bergbauvergangenheit wird zum Aktivposten

Das Ruhrgebiet verfügt über Dutzende künstliche Erhebungen. Die Halden entstanden über Jahrzehnte als Abraumdeponien des Bergbaus. Heute dienen viele als Freizeitflächen. Einige aber liegen brach. Genau dort sehen Planer Potenzial für Solarparks.

Ein konkretes Beispiel findet sich im Saarland: An der Halde Hirschbach in Dudweiler sollen die Bauarbeiten für einen Solarpark 2025 beginnen. Das Gelände wird dafür saniert und gesichert. Solche Projekte könnten als Blaupause für das Ruhrgebiet dienen.

Die Halden bieten einen entscheidenden Vorteil. Sie konkurrieren nicht mit Ackerland. Solarparks auf landwirtschaftlichen Flächen sind politisch umstritten. Umfragen zeigen: Die Bevölkerung befürwortet Solaranlagen auf Gebäuden deutlich stärker als auf Freiflächen. Halden umgehen diesen Konflikt.

Schwimmende Solaranlagen auf Seen und Kanälen

Neben den Halden geraten auch Wasserflächen ins Blickfeld. Schwimmende Solaranlagen, sogenannte Floating-Photovoltaik, lassen sich auf Baggerseen und Tagebaurestseen installieren. Das Ruhrgebiet besitzt zahlreiche solcher Gewässer, die aus dem früheren Bergbau entstanden sind.

Auch Kanäle werden diskutiert. Die Idee: Solarmodule werden über bestehenden Wasserstraßen errichtet. Das spart Fläche und nutzt vorhandene Infrastruktur. Die Technik ist aufwendiger als klassische Dachanlagen, aber technisch machbar.

Für Kommunen und mittelständische Energieversorger in der Region ergeben sich daraus konkrete Geschäftsmöglichkeiten. Stadtwerke und Energiegenossenschaften können solche Flächen pachten und betreiben.

NRW: Solarausbau verliert an Tempo

Der Druck, neue Flächen zu erschließen, wächst. Der Solarstrom-Ausbau in Nordrhein-Westfalen ging 2025 leicht zurück. Das Land bleibt damit hinter seinen eigenen Zielen. Neue Standorte jenseits klassischer Hausdächer sind gefragt.

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Gleichzeitig gibt es ein großes ungenutztes Potenzial. Industriedächer und Gewerbehallen sind bislang kaum mit Solaranlagen bestückt. Experten gehen davon aus, dass rund 90 Prozent der Dachflächen von Gewerbeimmobilien ungenutzt bleiben. Für kleine und mittlere Unternehmen in NRW kann das eine wirtschaftliche Chance sein.

Bottrop als Vorbild

Die Stadt Bottrop zeigt, wie es gehen kann. Die frühere Zechenstadt hat sich konsequent als Klimaschutzkommune positioniert. Erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen gehören dort zum kommunalen Programm. Andere Ruhrgebietsstädte beobachten diesen Ansatz.

Kraftwerk Gekko: Das andere Bild

Das Ruhrgebiet kämpft jedoch auch mit Rückschlägen. In Hamm sollte ein neues Steinkohlekraftwerk namens Gekko ans Netz gehen. Der Zeitplan ist nicht eingehalten worden. Das Projekt steht in der Region für die Schwierigkeiten des Energieumbaus. Neue Kohlekapazitäten und der gleichzeitige Ausbau erneuerbarer Energien passen nicht reibungslos zusammen.

Mittelstand kann profitieren

Für mittelständische Betriebe in der Region ergeben sich mehrere Ansätze. Handwerksbetriebe können von Montageaufträgen profitieren. Ingenieurbüros planen und genehmigen die Anlagen. Energiedienstleister übernehmen Betrieb und Wartung.

Flächen auf Halden oder Seen gehören oft Kommunen oder Bergbaunachfolgegesellschaften. Pachtmodelle ermöglichen es, ohne großen Kapitaleinsatz einzusteigen. Für kleinere Energiegenossenschaften ist das ein realisierbarer Weg.

Der Genehmigungsaufwand bleibt eine Hürde. Halden gelten oft als Altlastenstandorte. Bevor Bauarbeiten beginnen, müssen Gutachten erstellt und Flächen gesichert werden. Das kostet Zeit und Geld.

Fazit: Industriegeschichte als Rohstoff für die Energiewende

Das Ruhrgebiet verfügt über ein Potenzial, das andere Regionen nicht haben. Halden, Kanäle und Baggerseen bieten Flächen für Solaranlagen, ohne Ackerland zu belasten. Das ist politisch weniger konfliktträchtig und technisch umsetzbar. Der Ausbau läuft langsam an. Für Kommunen, Stadtwerke und mittelständische Unternehmen lohnt es sich, diese Entwicklung genau zu verfolgen.

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