Sedus Stoll startet Kreislaufmodell für Büromöbel
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Büromöbel kaufen, nutzen, entsorgen: Dieses Prinzip will Sedus Stoll hinter sich lassen. Der Hersteller aus Dogern im Landkreis Waldshut startet im Juli 2026 mit S:ircle ein neues Geschäftsmodell für den deutschen Markt. Ziel ist eine geschlossene Kreislaufwirtschaft rund um Büromöbel.
Was steckt hinter S:ircle?
S:ircle steht für zirkuläre Möbel und flexible Nutzung. Das Modell baut auf acht Prinzipien auf, die Sedus Stoll in zwei Gruppen gebündelt hat. Die vier Rs lauten: Return, Rent, Refurb und Reuse. Die vier Cs heißen: Care, Connect, Configure und Contribute.
Konkret bedeutet das: Kunden mieten Möbel, statt sie zu kaufen. Nach der Nutzung gibt der Kunde die Möbel zurück. Das Unternehmen übernimmt Aufbereitung und Weiterverwertung. Rohstoffe und Produkte bleiben so länger im Wirtschaftskreislauf.
Das Modell richtet sich an Unternehmen, die ihre Büroausstattung flexibel anpassen wollen. Statt langfristiger Kapitalbindung durch Kauf steht ein nutzungsbasierter Ansatz im Vordergrund. Das spricht vor allem mittelständische Betriebe an, die auf schwankende Mitarbeiterzahlen reagieren müssen.
Sedus Stoll: Ausgangslage
Sedus Stoll wurde 1871 gegründet und gilt als einer der führenden europäischen Hersteller von Bürolösungen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Dogern, beschäftigt mehrere hundert Mitarbeiter und ist familiengeführt.
Die wirtschaftliche Ausgangslage ist stabil. Im Geschäftsjahr 2023 erzielte die Sedus Stoll AG einen Umsatz von 259,1 Millionen Euro. Das entspricht einem Wachstum von 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Branche wuchs im selben Zeitraum nur um 0,6 Prozent.
Das Geschäftsjahr 2024 schloss das Unternehmen profitabel ab. Die Rekordumsätze aus 2023 wurden allerdings nicht erreicht. Als Grund nannte das Unternehmen die allgemeine wirtschaftliche Lage. Damit steht Sedus Stoll nicht allein: Die gesamte Büromöbelbranche spürt den Gegenwind durch schwächelnde Konjunktur und zurückhaltende Investitionen.
Kreislaufwirtschaft als Wettbewerbsfaktor
Die Entscheidung für S:ircle kommt nicht aus dem Nichts. Regulatorische Vorgaben auf EU-Ebene erhöhen den Druck auf Hersteller, Produkte langlebiger und recyclingfähiger zu gestalten. Gleichzeitig fragen Unternehmenskunden Nachhaltigkeitsnachweise für ihre eigenen Berichte ab.
Wer Büromöbel mietet statt kauft, kann Ressourcenverbrauch und CO2-Bilanz im Reporting besser darstellen. Für viele mittelständische Betriebe in NRW und bundesweit dürfte das ein Argument sein. Sedus Stoll positioniert sich damit früh in einem Segment, das wächst.
Das Rücknahme- und Aufbereitungssystem setzt voraus, dass Möbel von Anfang an auf Demontierbarkeit und Wiederverwertbarkeit ausgelegt sind. Sedus Stoll hat das in der Produktentwicklung bereits verankert. S:ircle ist damit kein reines Vertriebsmodell, sondern greift in Produktdesign, Logistik und Servicestrukturen ein.
Relevanz für den Mittelstand
Für kleine und mittlere Unternehmen hat das Modell praktische Vorteile. Büroflächen verändern sich schnell. Hybrides Arbeiten, Wachstum oder Stellenabbau erfordern flexible Möblierung. Langfristige Kaufverträge passen dazu schlecht.
Mit einem Mietmodell können Betriebe ihre Ausstattung an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Wartung und Aufbereitung übernimmt der Hersteller. Der Aufwand für den Kunden sinkt. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung für das Produkt beim Hersteller. Das ist ein Systemwechsel mit Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette.
Fazit
Sedus Stoll setzt mit S:ircle auf ein Modell, das über Marketing hinausgeht. Rücknahme, Aufbereitung und Mietvergabe verändern das Geschäft grundlegend. Die wirtschaftliche Stärke des Unternehmens gibt dem Projekt eine solide Grundlage. Ob S:ircle zum Branchenstandard wird, entscheiden die Kunden.



