Industrie

Sinkender Rheinpegel bedroht Produktion in NRW

Der Rheinpegel fällt. Die Hitzewelle in Nordrhein-Westfalen mit Temperaturen von bis zu 40 Grad trifft die Industrie an einem empfindlichen Punkt: der Wasserversorgung. Chemiekonzerne und Stahlriese Thyssenkrupp haben Notfallpläne aktiviert. Sie bereiten sich auf Niedrigwasser vor.

Weniger Wasser, mehr Druck auf die Ruhr-Speicher

Der Deutsche Wetterdienst warnt seit Tagen vor extremer Hitze in NRW. Ein sogenannter Heat Dome drückt die Temperaturen in die Höhe. Die Folge: Wasser verdunstet schneller, Flüsse führen weniger Wasser.

Besonders die Ruhr gerät unter Druck. Die Talsperren im Sauerland müssen bei Niedrigwasser des Rheins mehr Wasser in die Ruhr abgeben. Das belastet die Speicher erheblich. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Kühlwasser in den Industrieanlagen entlang der Flüsse.

Für die Industrie ist das eine doppelte Belastung. Weniger Wasser im Fluss bedeutet weniger Kühlkapazität. Wärmeres Wasser kühlt Anlagen schlechter. Beides zusammen kann Produktionsprozesse verlangsamen oder unterbrechen.

Thyssenkrupp und Chemiekonzerne reagieren

Thyssenkrupp hat Vorsorgemaßnahmen eingeleitet. Der Stahlkonzern mit Hauptsitz in Essen ist auf große Mengen Kühlwasser angewiesen. Stahlproduktion erzeugt extreme Hitze. Ohne ausreichend Kühlwasser geraten Anlagen in Gefahr.

Auch die Chemiebranche beobachtet die Lage genau. Chemiewerke am Rhein und seinen Nebenflüssen nutzen Flusswasser zur Kühlung. Bei sehr niedrigem Pegel oder zu hoher Wassertemperatur müssen Betreiber die Produktion drosseln. Das schreiben Umweltauflagen vor.

Forscher warnen seit Jahren vor genau diesen Szenarien. Studien zeigen, dass sich der Rhein durch den Klimawandel langfristig um bis zu vier Grad erwärmen könnte. Das hätte fatale Folgen für Kraftwerke, Industrie und die Tier- und Pflanzenwelt im Fluss.

Behörden schränken Wassernutzung ein

Die Lage betrifft nicht nur die Großindustrie. In einigen Kommunen in NRW gelten bereits strenge Wasserentnahmeverbote für Privatpersonen. Bürger dürfen Gärten nicht mehr mit Leitungswasser bewässern.

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Die Ozonbelastung ist hoch. Der Deutsche Wetterdienst hat neben Hitzewarnungen auch Hinweise auf erhöhte UV-Strahlung herausgegeben. Das betrifft Außenarbeiter in Industrie, Handwerk und Bauwirtschaft direkt.

Mittelstand spürt die Folgen ebenfalls

Nicht nur Großkonzerne sind betroffen. Viele mittelständische Unternehmen entlang des Rheins und der Ruhr sind auf Flusswasser angewiesen. Gießereien, Metallverarbeiter und Lebensmittelproduzenten brauchen Kühlwasser für ihre Prozesse.

Kleinere Betriebe haben jedoch selten eigene Krisenteams. Sie reagieren oft später und haben weniger Ausweichmöglichkeiten als Konzerne. Ein Produktionsstopp trifft einen Mittelständler mit 50 Mitarbeitern härter als einen Großkonzern mit Zehntausenden Beschäftigten.

Strukturelles Problem, kein Einzelfall

Die aktuelle Hitzewelle ist kein Einzelfall mehr. NRW erlebte in den vergangenen Jahren mehrere extreme Sommer mit Niedrigwasser am Rhein. Der Sommer 2018 gilt als besonders dramatisch. Damals mussten Kraftwerke die Stromproduktion einschränken. Binnenschiffe konnten kaum noch Fracht transportieren.

Das Ruhrgebiet als Industrieherz NRWs ist besonders verwundbar. Die Dichte an wasserintensiven Betrieben ist hoch. Gleichzeitig ist die Infrastruktur alt. Viele Kühlsysteme stammen aus einer Zeit, in der extreme Hitzeperioden seltener waren.

Investitionen in Resilienz bleiben oft aus

Experten fordern seit Jahren, dass Unternehmen ihre Wasserversorgung diversifizieren. Kreislaufkühlung statt Durchflusskühlung ist eine Möglichkeit. Doch Investitionen kosten Geld. Gerade für den Mittelstand ist das eine Abwägungsfrage.

Förderprogramme des Landes NRW gibt es für Energieeffizienz und Klimaanpassung. Ob sie ausreichend genutzt werden, ist fraglich. Viele Unternehmer schieben das Thema auf, solange kein akuter Druck besteht.

Fazit

Die Hitzewelle macht deutlich, wie abhängig NRWs Industrie vom Wasser ist. Kühlwasser ist kein selbstverständliches Gut mehr. Was Großkonzerne wie Thyssenkrupp bereits als strategisches Risiko behandeln, muss auch im Mittelstand ankommen. Wer jetzt nicht in Resilienz investiert, riskiert beim nächsten Extremsommer teure Produktionsausfälle.

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