Industrie

Stahlindustrie NRW: Gewerkschaft fordert Ende des Grabenkampfs

Die IG Metall verliert die Geduld. Die Gewerkschaft fordert von Thyssenkrupp und Salzgitter, ihren Konflikt beizulegen und gemeinsam für die Zukunft der deutschen Stahlindustrie einzutreten. Der Ruf nach Geschlossenheit kommt zu einem Zeitpunkt, in dem Billigimporte aus Asien, hohe Energiekosten und verschärfte Klimavorgaben die gesamte Branche belasten.

Zwei Konzerne, ein Streit

Im Kern geht es um unterschiedliche Strategien beim sogenannten Grünstahl. Salzgitter hat bei der klimaneutralen Stahlproduktion einen Vorsprung und setzt auf steigende CO2-Abgaben als Wettbewerbsvorteil. Thyssenkrupp sieht darin eine existenzielle Bedrohung für den eigenen Standort.

Die IG Metall schlägt einen Kompromiss vor. Betriebsräte beider Unternehmen haben sich bereits auf eine gemeinsame Linie in der Klimapolitik geeinigt. Ob die Vorstände diesen Weg mitgehen, ist offen.

Der Streit bei Thyssenkrupp reicht tiefer. Die Krupp-Stiftung als Hauptaktionärin warf der IG Metall zuletzt öffentlich vor, mit Falschbehauptungen zu arbeiten. Die Äußerungen hochrangiger Gewerkschaftsfunktionäre nannte die Stiftung schlicht beschämend. Die IG Metall wies das zurück.

Eskalation statt Lösungen

Im Herbst 2024 verschärfte sich der Ton spürbar. Die Eigentümer von Thyssenkrupp stellten sich öffentlich hinter Konzernchef Miguel Lopez. Persönliche Anfeindungen gegen ihn seien billig und stillos, hieß es. Die Gewerkschaft sah das anders.

Seit dem Ende der Friedenspflicht organisiert die IG Metall Warnstreiks in der Stahlsparte. Rund 17.000 Beschäftigte folgten den Aufrufen. Der IG Metall Bezirk NRW zählt rund 550.000 Mitglieder.

Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, und Betriebsratschef Tekin Nasikkol planen eine sogenannte Stahlarena mit Kanzlerkandidaten. Der Druck auf die Politik soll wachsen.

Demonstrationen in Berlin und im Saarland

Tausende Stahlarbeiter gingen zuletzt in Berlin und Völklingen auf die Straße. Sie fordern mehr Unterstützung aus der Bundespolitik. Konkret geht es um den Erhalt des europäischen Emissionshandels als Schutz vor Billigimporten.

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Auch bei Salzgitter ist die Lage angespannt. Der zweitgrößte Aktionär des Konzerns könnte eine Übernahme anstreben. Die IG Metall befürchtet massive Einschnitte für die Belegschaft und rief zum Protest auf.

Strukturkrise trifft eine ganze Branche

Die Probleme der beiden Konzerne sind kein Einzelfall. Die gesamte deutsche Stahlindustrie steht unter Druck. Billigstahl aus Asien drückt die Preise. Die Energiekosten in Deutschland liegen deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Neue Klimaregeln verlangen hohe Investitionen in saubere Produktionsverfahren.

In NRW hängen an der Stahlindustrie direkt und indirekt Zehntausende Arbeitsplätze, viele davon im Ruhrgebiet, das seit Jahrzehnten mit dem Strukturwandel kämpft. Ein weiterer Abbau würde die Region erneut hart treffen.

Fazit

Die IG Metall diagnostiziert: Der öffentliche Grabenkampf zwischen Thyssenkrupp und Salzgitter schadet beiden Unternehmen und lenkt von den eigentlichen Herausforderungen ab. Ob die Vorstände den Appell der Gewerkschaft aufgreifen, ist offen.

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