Stau im Ruhrgebiet kostet Handwerk bares Geld
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Stau auf der A40, Baustellen auf der B1, stockender Verkehr im Ruhrgebiet: Für Handwerksbetriebe ist das kein bloßes Ärgernis. Es ist ein handfestes wirtschaftliches Problem. Denn die Zeit, die Gesellen und Meister im Stau verbringen, ist vergütungspflichtige Arbeitszeit. Die Ruhr-Handwerkspräsidenten machen darauf jetzt öffentlich aufmerksam.
Fahrzeit ist Arbeitszeit: Was das Recht sagt
Das Arbeitszeitgesetz ist eindeutig. Fahrten zum Kunden gelten als Arbeitszeit, wenn sie im Auftrag des Arbeitgebers erfolgen. Der Betrieb muss diese Zeit vergüten. Stau verlängert die Fahrtzeit, also steigen die Lohnkosten.
Das trifft vor allem kleine Betriebe. Ein Elektriker, ein Klempner, ein Maler fahren täglich mehrere Einsätze. Jede Viertelstunde Stau summiert sich. Am Ende des Monats schlägt das auf die Kalkulation durch.
Rechtlich ist der Unterschied zwischen bezahlter Arbeitszeit und unbezahlter Ruhepause klar geregelt. Pausen, in denen Arbeitnehmer frei über ihre Zeit verfügen können, müssen nicht vergütet werden. Fahrzeit im Stau fällt nicht darunter. Der Fahrer ist gebunden, er arbeitet für den Betrieb.
Ruhrgebiet als besonders betroffene Region
Das Ruhrgebiet gehört zu den staureichsten Regionen Deutschlands. Die Infrastruktur ist alt. Brücken werden saniert. Autobahnen sind dauerhaft belastet. In Köln, Essen, Dortmund und Bochum stockt der Verkehr zu Stoßzeiten.
Handwerksbetriebe planen ihre Touren heute deutlich konservativer als noch vor zehn Jahren. Puffer für Stau gehören zur Kalkulation. Das kostet Kapazität. Ein Betrieb, der mehr Zeit auf der Straße verliert, schafft weniger Aufträge pro Tag.
Kraftstoff, Fahrzeugverschleiß und CO2-Belastung steigen bei langen Stauzeiten ebenfalls. Der wirtschaftliche Schaden ist also mehrschichtig.
Kooperation als Ausweg
Einen praktischen Lösungsansatz bringen die Handwerkspräsidenten selbst ins Spiel. Durch die Bündelung von Kleinaufträgen in einem Gebiet lassen sich Fahrwege reduzieren. Mehrere Betriebe können in einem Viertel zusammenarbeiten, statt jeder für sich zu fahren.
Das Modell hat einen weiteren Vorteil für Kunden. Wer seine Aufträge mit Nachbarn bündelt, zahlt weniger Anfahrtskosten. Statt jede angefangene Stunde voll zu bezahlen, reicht die Abrechnung nach Viertelstunden, wenn die Anfahrt geteilt wird.
Solche Kooperationsmodelle sind im Ruhrgebiet keine Neuheit, aber sie sind noch nicht flächendeckend etabliert. Handwerksinnungen und Kreishandwerkerschaften könnten hier koordinierend tätig werden.
Politik gefordert: Infrastruktur als Standortfaktor
Die Botschaft der Handwerkspräsidenten an die Politik ist klar. Marode Straßen und chronische Staus sind kein Naturgesetz. Sie sind das Ergebnis ausgebliebener Investitionen. Wer den Mittelstand stärken will, muss in Verkehrsinfrastruktur investieren.
Das betrifft nicht nur Autobahnen. Auch kommunale Straßen, Ampelschaltungen und die Koordination von Baustellen sind relevant. Baustellen auf der A4 bei Köln oder an anderen Engstellen sollten besser koordiniert werden, um Staus zu minimieren.
Arbeitszeiterfassung ist für Handwerksbetriebe Pflicht. Arbeitgeber müssen dokumentieren, wie lange ihre Mitarbeiter arbeiten, auch auf Fahrten. Diese Daten machen das Problem messbar. Sie zeigen, wie viel bezahlte Arbeitszeit im Stau verloren geht.
Fazit
Stau im Ruhrgebiet kostet Handwerksbetriebe Geld, Kapazität und Wettbewerbsfähigkeit. Die Handwerkspräsidenten haben recht, wenn sie das öffentlich benennen. Bessere Infrastruktur, klügere Tourenplanung und mehr Kooperation zwischen Betrieben sind keine Wunschvorstellungen, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit für eine Region, die auf ihr Handwerk angewiesen ist.



