Stolberger Familienunternehmen Kerschgens feiert 150 Jahre
Ein Stück Stahl, eine Schubkarre und zwei Männer: So soll die Geschichte von Kerschgens vor 150 Jahren begonnen haben. Heute ist das Unternehmen aus Stolberg in der Städteregion Aachen ein etablierter Werkstoffdienstleister mit bundesweiter Reichweite. Zum Jubiläum zieht das Familienunternehmen Bilanz und blickt nach vorn.
Sechs Generationen, ein Standort
Kerschgens wurde 1876 gegründet. Seither ist das Unternehmen in Stolberg verwurzelt. Heute führen Manfred Kerschgens, Heinz Herbort, Felix Herbort und Pierre Schlüper das Unternehmen gemeinsam in sechster Generation. Damit gehört Kerschgens zu den wenigen Familienunternehmen in NRW, die über so viele Generationen hinweg in einer Hand geblieben sind.
Das Unternehmen firmiert heute unter dem Namen Kerschgens Werkstoffe & Mehr GmbH. Der Zusatz „Mehr“ ist Programm. Kerschgens versteht sich längst nicht mehr als reiner Händler. Neben dem Materialverkauf bietet das Unternehmen auch Anarbeitungsleistungen an. Kunden erhalten Werkstoffe also bereits bearbeitet und zugeschnitten.
Breites Sortiment für Industrie und Bauwesen
Das Lieferprogramm umfasst Stahl, Edelstahl, Nichteisenmetalle, Betonstahl, Bleche und Rohre. Besonders stark ist Kerschgens im Bereich Lochbleche. Nach eigenen Angaben gehört das Unternehmen zu den führenden Anbietern in diesem Segment in Deutschland.
Die Kunden kommen aus der Industrie, dem Maschinenbau, dem Bauwesen sowie dem Stahl- und Metallbau. Das Sortiment ist auf die klassischen Stärken des Wirtschaftsraums Aachen und NRW zugeschnitten. Kerschgens beliefert aber auch Kunden weit über die Region hinaus.
Vom Handel zum Dienstleister
Kerschgens beschreibt sich selbst als „100 Prozent Dienstleister“. Moderne Bearbeitungstechnik hat dabei ein hohes Gewicht. Maschinen übernehmen Zuschnitt, Formgebung und weitere Verarbeitungsschritte direkt im Unternehmen.
Auch in der Logistik setzt Kerschgens auf Modernisierung. Zum Jubiläum präsentierte das Unternehmen den Einsatz von Elektro-Lkw im Fuhrpark. Für einen mittelständischen Werkstoffhändler ist das ein ungewöhnlicher Schritt.
Generationsübergreifende Verantwortung als Leitbild
Das Unternehmen formuliert seinen Anspruch klar: generationsübergreifende Verantwortung, unternehmerischer Mut und kontinuierliche Weiterentwicklung. Das klingt nach Jubiläumsrhetorik, hat bei Kerschgens aber einen konkreten Hintergrund. Sechs Generationen haben das Unternehmen durch Krisen, Strukturwandel und technologischen Umbruch geführt.
Der Stahlhandel in NRW steht unter dauerhaftem Druck. Importkonkurrenz, schwankende Rohstoffpreise und der Strukturwandel in der Industrie fordern Händler und Verarbeiter gleichermaßen. Kerschgens hat darauf mit einer klaren Positionierung reagiert: weg vom reinen Volumengeschäft, hin zu Beratung, Bearbeitung und Service.
Mittelstand mit langer Wurzel
Kerschgens steht exemplarisch für einen Unternehmenstyp, der in NRW häufig anzutreffen ist: der spezialisierte Familiendienstleister mit handwerklichem Ursprung und industriellem Anspruch. Solche Unternehmen sind in der öffentlichen Wahrnehmung oft unsichtbar, in der Lieferkette aber unverzichtbar.
Stolberg hat eine lange industrielle Tradition. Die Stadt in der Städteregion Aachen war einst bekannt für Metallindustrie und Chemie. Kerschgens ist eines der wenigen Unternehmen, das diese Tradition direkt verkörpert und fortführt.
Fazit
150 Jahre Kerschgens belegen, dass Familienunternehmen mit klarer Strategie und Bereitschaft zur Veränderung auch in schwierigen Märkten bestehen können. Der Schritt vom Stahlhändler zum Werkstoffdienstleister war keine Notlösung, sondern eine bewusste Entscheidung.



