Thyssengas baut 100-km-Wasserstoffleitung durchs Westmünsterland
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Eine alte Ölpipeline bekommt eine neue Aufgabe. Der Netzbetreiber Thyssengas will eine bestehende Rohrtrasse im Westmünsterland für den Transport von Wasserstoff umrüsten. Die Leitung soll rund 100 Kilometer lang sein und quer durch die Region führen.
Alte Infrastruktur, neuer Zweck
Thyssengas setzt auf eine bekannte Methode: bestehende Leitungen umwidmen statt neu bauen. Das spart Zeit und Geld und vermeidet aufwendige Genehmigungsverfahren für komplett neue Trassen. Die ehemalige Ölleitung verläuft bereits durch die Region, muss technisch aber für den Betrieb mit Wasserstoff ertüchtigt werden.
Wasserstoff stellt besondere Anforderungen an Rohre und Dichtungen. Der Energieträger hat kleinere Moleküle als Erdgas und kann leichter durch Materialien diffundieren. Thyssengas hat mit solchen Umrüstungen bereits Erfahrung.
Bürger werden informiert
Im Mai 2026 startete Thyssengas eine Reihe von Informationsveranstaltungen. In Coesfeld fand ein erster Info-Abend zur geplanten Hochdruckleitung statt, weitere Veranstaltungen in der Region sollen folgen. Das Unternehmen will Anwohner frühzeitig einbinden und Fragen zur Trassenführung und Sicherheit beantworten.
Solche Bürgerdialoge sind bei Infrastrukturprojekten dieser Größenordnung Pflicht.
Was die Industrie im Münsterland erwartet
Für produzierende Betriebe in der Region ist der Anschluss ans Wasserstoffnetz eine Grundvoraussetzung. Ohne Leitungsinfrastruktur bleibt Wasserstoff für viele Unternehmen unerschwinglich. Transport per Lkw ist teuer und nur bedingt skalierbar.
Mittelständische Betriebe aus der Metall-, Chemie- und Lebensmittelbranche nutzen heute noch Erdgas. Die Umstellung auf Wasserstoff ist für sie ein zentrales Thema, wenn es um Klimaziele und Wettbewerbsfähigkeit geht. Eine Pipeline in der Region macht den Umstieg kalkulierbar.
Parallel zur Leitungsinfrastruktur entstehen in der Region erste Erzeugungsprojekte. Das Projekt GreenLink Münsterland plant einen Elektrolyseur mit Anbindung ans Netz. Trianel, der Stadtwerkeverbund mit Sitz in Aachen, treibt das Vorhaben voran. Geschäftsführer Sven Becker hat das Projekt als zweites Wasserstoffprojekt des Unternehmens bezeichnet. Erfahrungen aus dem Wasserstoffzentrum Hamm sollen dabei helfen.
NRW setzt auf Wasserstoff als Industriestrategie
Das Land Nordrhein-Westfalen verfolgt beim Thema Wasserstoff eine klare Linie. Ministerpräsident Hendrik Wüst übergab im Juni 2026 in Brüssel die Ergebnisse eines sogenannten Realitätschecks Wasserstoff an die EU-Kommission. Das Papier enthält acht Empfehlungen und entstand im Austausch mit elf Vertretern aus Mittelstand und Handwerk in NRW.
NRW will beim Wasserstoffhochlauf nicht auf EU-Entscheidungen warten und fordert verlässliche Rahmenbedingungen aus Brüssel.
Für den Mittelstand ist das relevant. Viele Unternehmer warten auf Planungssicherheit, bevor sie in neue Technologien investieren. Klare politische Signale und funktionierende Infrastruktur sind dafür die Voraussetzung.
Wasserstoff-Initiative Münster als regionaler Treiber
Bereits seit 2020 gibt es in Münster eine eigene Wasserstoff-Initiative. Die WIM, kurz für Wasserstoff Initiative Münster, vernetzt Fachleute, Unternehmen und Kommunen. Sie hat früh Expertenforen organisiert und das Thema in der Region verbreitet.
Für kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene Technologieabteilungen ist sie eine Anlaufstelle für den Wissenstransfer.
Fazit
Das Westmünsterland bekommt eine Wasserstoffleitung. Thyssengas setzt auf Umrüstung statt Neubau, was Ressourcen spart. Für die heimische Industrie bedeutet das: Der Anschluss an die Wasserstoffwirtschaft rückt näher. Mittelständler, die heute noch auf Erdgas setzen, sollten die Entwicklung beobachten.



