Thyssenkrupp bringt TK Accelis an die Börse
Thyssenkrupp spaltet sich weiter auf. Der Essener Industriekonzern plant den Börsengang seiner Werkstoffhandelstochter TK Accelis, die bis vor Kurzem unter dem Namen Thyssenkrupp Materials Services firmierte. Es ist bereits der zweite große Sparten-Börsengang innerhalb kurzer Zeit. Zuvor hatte das Unternehmen die Marinesparte TKMS erfolgreich an die Frankfurter Börse gebracht.
Zähe Verhandlungen, grünes Licht am Ende
Die IG Metall hat dem Vorhaben nach eigenen Angaben zugestimmt. Die Gewerkschaft sprach von zähen Verhandlungen. Ihr größter Kritikpunkt war die geplante Rechtsform. TK Accelis soll als Kommanditgesellschaft auf Aktien, kurz KGaA, an die Börse gehen. Genau dagegen hatten sich die Arbeitnehmervertreter zunächst gewehrt.
Dennoch hält Thyssenkrupp an der KGaA fest. Die Gewerkschaft erklärte am Ende, die Mitbestimmung sei umfassend gesichert worden. Damit war der Weg für den nächsten Schritt frei.
Mehrheit bleibt bei Thyssenkrupp
Auch bei TK Accelis plant der Konzern, die Kontrolle zu behalten. Wie bereits beim TKMS-Börsengang will Thyssenkrupp strategische Mehrheitsgesellschafterin bleiben. Bei TKMS hält der Konzern 51 Prozent der Anteile. Ein vergleichbares Modell ist offenbar auch für TK Accelis vorgesehen.
Das Ziel ist klar: Thyssenkrupp will Kapital aus den Töchtern heben, ohne die strategische Steuerung abzugeben. Der Konzern bezeichnet die Transaktionen als wichtigen Schritt zur Neuausrichtung des Gesamtkonzerns.
TKMS-Börsengang als Blaupause
Der Börsengang der Marinetochter TKMS verlief nach übereinstimmenden Berichten ausgesprochen erfolgreich. Die Aktionäre hatten die Abspaltung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen. Die Börsennotierung am regulierten Markt in Frankfurt folgte anschließend.
Für den Mutterkonzern verlief der Tag allerdings durchwachsen. Während TKMS an der Börse stark startete, gab die Thyssenkrupp-Aktie infolge der Abspaltung deutlich nach. Investoren reagierten damit auf die veränderte Konzernstruktur.
Stahlsparte bleibt das größte Problem
Unabhängig von den Börsengängen bleibt die Stahlsparte der schwierigste Teil des Konzerns. Die IG Metall fordert einen Staatseinstieg bei TKMS und warnt vor Rückschritten beim Strukturwandel. In Nordrhein-Westfalen ist das Thema politisch brisant.
Tausende Beschäftigte arbeiten an den Stahlstandorten im Ruhrgebiet. Die Debatte um Klimaschutz und Transformation der Stahlindustrie spaltet die Belegschaften und die Gewerkschaft. Demonstrationen der IG Metall in NRW haben das zuletzt deutlich gemacht.
Analysten beobachten die Kursentwicklung der Thyssenkrupp-Aktie genau. Der Kursanstieg der vergangenen Wochen wird nicht nur als technische Erholung gewertet. Viele Marktbeobachter sehen darin die Erwartung, dass der Konzernumbau tatsächlich Fortschritte macht.
Fazit: Umbau nimmt Fahrt auf
Thyssenkrupp setzt seinen Umbau konsequent fort. Mit TK Accelis bringt der Konzern die zweite große Tochter innerhalb kurzer Zeit an die Börse. Die IG Metall hat nach harten Verhandlungen zugestimmt. Der Essener Konzern behält in beiden Fällen die Mehrheit. Ob die Strategie den Gesamtkonzern stabilisiert, wird sich an den Standorten im Ruhrgebiet zeigen.



