
Velbert beschließt Gewerbegebiet Großes Feld nach 13 Jahren
Nach 13 Jahren Diskussion hat Velbert den Bebauungsplan Nr. 761, Großes Feld an der Langenberger Straße, beschlossen. Auf den dortigen Flächen soll ein neues Gewerbegebiet entstehen. Die Abstimmung verlief überraschend: Die SPD enthielt sich, brachte damit aber die nötige Mehrheit zustande.
Ein Projekt mit langer Vorgeschichte
Das Projekt Großes Feld beschäftigt die Stadt Velbert seit mehr als einem Jahrzehnt. Immer wieder scheiterte es an politischen Widerständen. In den vergangenen Jahren stimmte die SPD noch geschlossen dagegen. Jetzt hat sich das geändert.
Bereits im Sommer 2025 hatte der damalige Stadtrat versucht, das Gewerbegebiet kurz vor der Kommunalwahl zu beschließen. Damals scheiterte das Vorhaben. Im Juni 2026 fand sich in einer gemeinsamen Sondersitzung eine Mehrheit.
Die Fläche liegt am Rand der Röbbeck. Der Standort ist verkehrlich günstig. Die A44 soll in absehbarer Zeit fertiggestellt werden. Dieser Autobahnanschluss gilt als zentrales Argument für das Gewerbegebiet.
Wirtschaftsverbände fordern seit Jahren Handeln
Die IHK Düsseldorf hatte schon im September 2024 klare Worte gefunden. Die Rücknahme einer Klage des BUND und die erwartbare Fertigstellung der A44 seien starke Argumente für das Gewerbegebiet. Die Kammer forderte den Stadtrat auf, den Weg freizumachen.
Auch der Unternehmerverband Schlüsselregion drängte auf eine Entscheidung. Geschäftsführer Thorsten Enge sieht das neue Gewerbegebiet als logische Konsequenz vergangener Fehler. Jahrelang habe die Politik Flächen für Wohnbebauung statt für Gewerbe freigegeben. Jetzt gebe es kaum noch Alternativen.
Keine Flächen, keine Ansiedlungen
Der Mangel an Gewerbeflächen hat in Velbert konkrete Folgen. Wachsende Unternehmen mit größerem Flächenbedarf finden in der Stadt keinen Platz. Sie weichen auf Nachbarkommunen aus. Das kostet Velbert Gewerbesteuereinnahmen.
Der Vergleich mit Ratingen macht das deutlich. Ratingen ist nur wenig größer als Velbert, das Gewerbesteueraufkommen liegt dort aber doppelt so hoch. Für Wirtschaftsvertreter ist das ein alarmierendes Signal.
A44 als Schlüssel für den Standort
Die künftige Autobahn A44 verändert die Lage. Sie verbindet Velbert mit dem überregionalen Straßennetz. Ein Gewerbegebiet ohne diesen Anschluss hätte deutlich weniger Attraktivität.
Thorsten Enge vom Unternehmerverband Schlüsselregion formuliert es direkt: Ein A44-Anschluss ohne nutzbares Flächenpotenzial sei wirkungslos. Beides müsse zusammenkommen, damit Velbert als Wirtschaftsstandort profitieren könne.
Die IHK Düsseldorf teilt diese Einschätzung. Ohne das Gewerbegebiet würde die Stadt die Chance des Autobahnbaus nicht nutzen. Investoren suchen Flächen mit guter Anbindung.
Politische Mehrheit unter besonderen Umständen
Die Abstimmung im Stadtrat verlief ungewöhnlich. Die SPD stimmte nicht für das Projekt, enthielt sich aber der Stimme. Das reichte für eine Mehrheit aus. Für eine Fraktion, die das Gewerbegebiet lange abgelehnt hatte, ist das ein deutlicher Kurswechsel.
Die formale Grundlage ist gelegt: Der Bebauungsplan wurde als Satzung beschlossen. Die Stadt kann nun mit der Entwicklung der Flächen beginnen.
Spät, aber nicht zu spät
13 Jahre Debatte liegen hinter der Stadt. Der Bebauungsplan Großes Feld gibt ansiedlungswilligen Unternehmen eine konkrete Perspektive. IHK und Unternehmerverband begrüßen die Entscheidung. Flächen allein reichen allerdings nicht: Planungssicherheit und schnelle Verfahren müssen folgen.


