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Weniger Fachkräftemangel: Krise statt Lösung

Deutschlands Unternehmen klagen seltener über fehlende Fachkräfte. Das klingt nach guten Nachrichten. Es sind keine. Denn der Rückgang hat nichts mit mehr Fachkräften auf dem Markt zu tun. Die anhaltende Wirtschaftsschwäche senkt schlicht den Bedarf. Das belegt eine aktuelle Auswertung der KfW.

Entspannung aus dem falschen Grund

Dirk Schumacher, Chefökonom der KfW, bringt es klar auf den Punkt. Der Fachkräftemangel habe nachgelassen, aber das sei vor allem auf die schwache Konjunktur zurückzuführen. Unternehmen, die weniger produzieren oder Aufträge verloren haben, stellen schlicht weniger ein. Das Problem löst sich damit nicht. Es wird nur verdeckt.

Sobald die Wirtschaft wieder anzieht, wird der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zurückkehren. Die strukturellen Ursachen, demografischer Wandel und mangelnde Ausbildungskapazitäten, bestehen unverändert fort.

NRW-Mittelstand: Entlastung nur in bestimmten Branchen

Für den nordrhein-westfälischen Mittelstand ist die Lage uneinheitlich. Branchen mit stabiler oder wachsender Nachfrage spüren kaum Entlastung. Dort bleibt der Wettbewerb um Fachkräfte hart. Wer in der Industrie- oder Logistikbranche tätig ist und weiter investiert, findet nach wie vor schwer geeignetes Personal.

Anders sieht es in konjunkturabhängigen Bereichen aus. Dort, wo Aufträge weggebrochen sind, hat sich auch der Druck auf den Arbeitsmarkt gelöst. Das ist kein struktureller Fortschritt. Es ist eine vorübergehende Atempause.

Handwerk unter Druck: Strukturproblem bleibt

Im Handwerk zeigt sich das Strukturproblem besonders deutlich. Die Zahl der Azubis mit Hauptschulabschluss ist in den vergangenen zehn Jahren um 42,7 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig steigt der Anteil der Auszubildenden mit Abitur oder Fachabitur. 2022 brachten 22,7 Prozent der neuen Handwerksazubis einen solchen Abschluss mit. 2013 waren es noch 14,8 Prozent.

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Das zeigt: Das Handwerk wirbt heute stärker um Schulabgänger mit höheren Bildungsabschlüssen. Der klassische Nachwuchs aus Haupt- und Realschulen fehlt. An diesem Trend ändert die Konjunkturflaute nichts.

Ausbildung als Stellschraube

Betriebe, die jetzt ausbilden, sichern sich ihren Fachkräftenachwuchs für die Zukunft. Wer die Ausbildungsplätze in der Krise abbaut, verschärft das Problem auf lange Sicht. Für kleine und mittlere Unternehmen in NRW ist das eine strategische Entscheidung mit langer Wirkung.

Viele Betriebe in der Region haben das erkannt. Sie halten ihre Ausbildungskapazitäten auch in schwierigen Zeiten aufrecht. Das kostet kurzfristig Geld. Es zahlt sich mittel- und langfristig aus.

Trügerische Ruhe vor dem nächsten Aufschwung

Die aktuelle Entspannung am Fachkräftemarkt sollte niemanden in Sicherheit wiegen. Sobald die Konjunktur dreht, werden offene Stellen wieder schwerer zu besetzen sein. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass jedes Jahr mehr erfahrene Fachkräfte in Rente gehen, als neue nachrücken.

Für den Mittelstand in NRW gilt: Die Zeit der etwas ruhigeren Personalmärkte ist eine Chance. Betriebe können jetzt gezielt ausbilden, Prozesse verbessern und die Attraktivität als Arbeitgeber steigern. Wer das versäumt, steht beim nächsten Aufschwung wieder vor denselben Problemen.

Fazit

Der Rückgang des Fachkräftemangels ist kein Zeichen einer gelösten Herausforderung. Er ist ein Symptom wirtschaftlicher Schwäche. Für Mittelständler in NRW bedeutet das: Jetzt handeln, Ausbildung stärken und Strukturen aufbauen. Die nächste Phase des Fachkräftemangels kommt bestimmt.

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