
Westenergie: IT-Panne kostet Kunden die Einspeisevergütung
Der Essener Energiekonzern Westenergie steckt in der Krise. Eine fehlerhafte IT-Umstellung hat dazu geführt, dass zahlreiche Kunden ihre Einspeisevergütung nicht oder verspätet ausgezahlt bekommen haben. Konzernchef Robert Denda hat sich nun öffentlich entschuldigt. Die Beschwerden seien nachvollziehbar, räumt er ein.
IT-Umstellung löst Kundenchaos aus
Westenergie ist einer der größten regionalen Energieversorger in Deutschland und vor allem in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen aktiv. Eine Umstellung auf ein neues IT-System lief offenbar schief. Die Folgen treffen viele Kunden direkt im Geldbeutel.
Besonders betroffen sind Betreiber von Photovoltaikanlagen und anderen Einspeiseanlagen. Sie haben Anspruch auf eine gesetzlich geregelte Einspeisevergütung. Diese Zahlungen blieben bei vielen Betroffenen aus. Manche Kunden warten seit Monaten auf ihr Geld.
Auch die Netzgesellschaft Westnetz, eine Tochter von Westenergie, ist direkt involviert. Auf der Unternehmenswebsite findet sich eine ausführliche Entschuldigung. Westnetz verspricht dort eine Einmalzahlung. Wörtlich heißt es: Für alle, deren Vergütung bislang noch nicht ausgezahlt wurde, leiste man nach Prüfung der Anfrage eine solche Zahlung. Wie viele Kunden betroffen sind, wurde bislang nicht offiziell kommuniziert.
Neuer Chef übernimmt Verantwortung
Robert Denda steht erst seit Kurzem an der Spitze von Westenergie. Er folgte auf Katherina Reiche. Er hat die Probleme öffentlich anerkannt und sich entschuldigt.
Die Entschuldigung kommt spät. Kunden berichten seit Wochen von unzureichendem Service. Bewertungen auf einschlägigen Portalen kritisieren vor allem die mangelnde Transparenz bei Rechnungen. Westnetz sei nicht in der Lage, nachvollziehbare Abrechnungen zu erstellen, schreiben Nutzer dort.
Der Druck auf das Unternehmen wächst. Die Verbraucherzentrale NRW bietet Betroffenen konkrete Hilfe an und unterstützt Kunden beim Verfassen von Beschwerdebriefen.
Welche Rechte haben betroffene Kunden?
Wer seine Einspeisevergütung nicht erhält, hat klare Rechtsansprüche. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz regelt die Pflicht zur Vergütung verbindlich. Netzbetreiber sind zur pünktlichen Auszahlung verpflichtet. Bei Verstößen können Betroffene Verzugszinsen geltend machen.
Wer mit dem Energieversorger keine Einigung erzielt, kann die Schlichtungsstelle Energie einschalten. Sie vermittelt kostenlos zwischen Verbrauchern und Energieunternehmen. Auch die Bundesnetzagentur ist als Aufsichtsbehörde zuständig und kann bei systematischen Verstößen eingreifen.
Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, Beschwerden schriftlich einzureichen. Das schafft Beweissicherheit. Dokumentiert werden sollten Vertragsnummern, Einspeisemengen und die bisherige Kommunikation mit dem Anbieter.
Besondere Belastung für kleine Gewerbebetriebe
Für viele Mittelständler und Handwerksbetriebe in NRW ist die Lage besonders ernst. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Betriebsdach betreibt, kalkuliert fest mit der Einspeisevergütung. Bleibt das Geld aus, entsteht eine Liquiditätslücke, die bei kleinen Betrieben spürbare Konsequenzen haben kann.
Eine verspätete Auszahlung über mehrere Monate kann die Finanzplanung ganzer Geschäftsjahre durcheinanderwerfen.
Entschuldigung allein reicht nicht
Die öffentliche Entschuldigung von Westenergie-Chef Robert Denda ist ein erster Schritt. Ausschlaggebend ist nun, wie schnell die versprochenen Einmalzahlungen tatsächlich ankommen und ob das Unternehmen seine IT-Probleme dauerhaft behebt. Betroffene Kunden können ihre Ansprüche über die genannten rechtlichen Wege einfordern.

